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Brauchen wir Das wirklich?

In den Anfangszeiten der Verbreitung von KI war oft zu hören, dass das ja auch nur ein neues Werkzeug sei und man sich schon mit der Zeit daran gewöhnen würde es so selbstverständlich einzusetzen wie bisher andere Werkzeuge auch. Nun gibt es aber neben dem Verdacht, dass sich die Umwälzung durch KI eher mit der Industrialisierung als mit dem Ersatz von Dampfmaschinen durch E-Locks vergleichen lässt auch noch die Beobachtung, das KI wohl doch mehr ist als „nur“ ein Werkzeug. Mir ist der Gedanke zuerst in einem Artikel von Robert Diab im „Philosophical Salon“ begegnet. Diab weiß darauf hin, dass im Gegensatz zu einem Werkzeug KI eher dialogisch aufgebaut ist, das heißt eben auch sowohl deutlich in die Prozesse eingreift als auch zunehmend mit Handlungsmacht ausgestattet ist. Erschreckte Meldungen vom Stil “habe die KI gebeten meine E-Mail aufzuräumen; jetzt sind alle älteren Mails gelöscht” zeigen, dass die Handlungsmacht der KI nicht immer im Sinne des Auftraggebers abläuft. Daran hat sich für mich die Frage ergeben, ob dann eher ein Vergleich mit einem Sklaven oder Knecht angemessen ist? Das die KI also eher mit einem menschlichen Helfer statt mit einem Werkzeug vergleichbar sei. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich bereut Hegel nie ordentlich gelesen zu haben, denn die Dialektik von Herrn und Knecht könnte hier eventuell hilfreich sein, hätte man sie jemals wirklich verstanden. Dass der Knecht auch Macht über den Herrn bekommt, da dieser auf ihn angewiesen ist, ist nachvollziehbar, dass er diese Macht auch ausnutzen könnte, um den Herrn von seinem Thron zu stoßen hat den Test der Geschichte ja nicht unbedingt bestanden. Das Proletariat hat nicht obsiegt, stattdessen haben wir es mit einer Art, wie Jannis Varoufakis es nennt, Techno-Feudalismus zu tun, in dem Oligarchen, Konzerne und Staaten um Machtanteile ringen. In deren Händen ist die KI auf jeden Fall erstmal ein Werkzeug, um Macht zu festigen noch mehr Kapital zur akkumulieren und Menschen auszunutzen.

Varoufakis sagt, dass im ursprünglichen Feudalismus die Quelle der Macht der Landbesitz war. Wer das Land besaß, konnte Leute darauf arbeiten lassen und dann den Gewinn abschöpfen. In der Industrialisierung war der Besitz von Maschinen der entscheidende Faktor, um Mehrwert zu produzieren und diesen dann einzustecken oder zu investieren. Und heute sind die Informationen über die Vorlieben der Kunden das Kapital, das benutzt wird, um oberhalb der der Produktions-Ebene noch mal Geld abzuschöpfen und zu akkumulieren.
Wohin das alles noch führen wird, ist mir insofern ist nur insofern absehbar als der Mensch der Natur möglicherweise unwiederbringlich Schaden zufügen wird.

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Ich frage mich inzwischen, was mich eigentlich verlocken sollte KI zu benutzen oder gar KI-Agenten für mich tätig werden zu lassen? Sicher nicht das Trommelfeuer an Meldungen über die neuesten Errungenschaften dieser Wunderwaffe im Kampf gegen die Zeit. Im Gegenteil. Die Beschleunigung, die durch die KI ermöglicht wird, kommt ja nur in den wenigsten Fällen den Menschen zugute, weil die “gewonnene” Zeit sofort wieder durch weitere Aufgaben und Herausforderung aufgefressen wird. Wie Hartmut Rosa schön gezeigt hat, ist die Beschleunigung der Abläufe jetzt schon ungesund und kann letztlich nur dazu führen, dass die Menschen noch schneller ausgesaugt oder ausgebrannt werden.

Dass die Bequemlichkeit eine Falle ist, wissen wir nicht erst seit KI. Die Bildschirme fesseln uns an die Stühle und lassen unsere Physis verkommen. Die Denk- und Merkhilfen der digitalen Welt führen dazu, dass wir unser Hirn nicht mehr trainieren. Ob wir die frei werdenden Ressourcen dazu nutzen, uns über unsere Zukunft Gedanken zu machen ist jedenfalls eine offene Frage.  

Die Debatte über die Kosten dieser völlig überflüssigen Technologie fängt ja gerade erst an Fahrt aufzunehmen. Ob die Chance genutzt wird, den Energie- und Wasser-Hunger der KI mit erneuerbaren und nachhaltigen Mitteln zu decken steht auch noch in den Sternen.

Aber das stärkste Argument gegen den Einsatz der KI zum Wohle der Menschheit ist ein Strukturelles. Die Leistungen hinsichtlich des Abarbeitens von Aufgaben und der Kombinatorik möchte ich nicht in Abrede stellen. Aber kann KI etwas Neues in die Welt bringen? Kann KI kreative Lösung für Probleme anbieten, die nicht schon in dem „Futter“ enthalten waren, womit sie trainiert wurde? Zumindest, Stand heute, ist das ganze System so angelegt, dass es tendenziell nur konservative Antworten generieren, allenfalls noch überraschende, aber nicht neuartige Lösungen anbieten kann.

Letztlich könnte man das Ganze mit einem Parasiten vergleichen, der sich des gesamten Wissen- und Können-Repertoires der Menschheit bedient (ohne dafür zu bezahlen) um uns zu erzählen, was wir eigentlich schon längst wussten, ohne allerdings zu wissen, dass wir es wissen. Das klingt jetzt alles sehr maschinenstürmerisch und ist letztlich auch so gedacht. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass ich mich zwar gelegentlich der Möglichkeiten bedienen werde, die inzwischen in alle Lebensbereiche einfließen, dass ich mich aber nicht mit der KI in einen Dialog begeben werde. Die Frage bleibt dabei immer welche Freiheiten muss ich opfern, um den einen oder anderen Vorteil genießen zu können?

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Mögen mich die kommenden Generationen Lügen strafen, aber ich bin inzwischen auch der schönen neuen Welt der Bilderstellung ohne Welt-Vorlage gegenüber skeptisch eingestellt. Positiv an den neuen Möglichkeiten, die ja nicht nur aus der reinen Bildgenerierung aus Spracheingaben, sondern auch aus dem ständigen wachsenden generativen Anteile der Bildoptimierung oder Bildmanipulation (siehe neue „Tools“ in LR und PS) bestehen ist, dass sie der menschlichen Phantasie ein direktes Outlet bieten. Was früher noch mühsam inszeniert werden musste, kann jetzt schnell erstellt und schrittweise den eigenen Vorstellungen angenähert werden. Es bleiben aber letztlich bei der Annäherung, weil der Pool aus dem geschöpft wird zwar riesig aber doch begrenzt ist. Das eröffnet für die illustrativen Branchen, vor allem für die Werbung, fast unbegrenzte Möglichkeit. Auch für Künstler ist das ein Feld, auf dem ohne Umweg über die in der Welt verfügbaren Ressourcen “Werke” verwirklicht werden können, die bisher unvorstellbar waren. Leider ist aber auch was dran an dem Spruch, den ich kürzlich aus dem Netz gefischt habe “zu sagen man sei ein KI-Künstler ist ungefähr so, als würde man sagen man sei ein Mikrowellen-Koch”. Was aber letztlich bei mir die Alarmglocken läuten lässt, hinsichtlich dieser phantastischen Möglichkeiten, ist das Bisschen, das ich von Lacan mitbekommen habe. Dass wir uns mit diesen Bilder-Welten ausschließlich im Imaginären bewegen. Im „Imaginären“ geht immer alles gut. Die Phantasie kennt keine Grenzen, neigt aber auch dazu sich in diesem weiten Feld zu verlaufen. Das „Reale“ ist nach Lacan so definiert, dass es der Bereich ist, in dem es „hapert“, in dem es eben nicht glatt über die Bühne geht. Das ist der mühsame Bereich des „in der Welt Seins“, das ist der Abfall im Landschaftsbild das ist der helle Grashalm der ins Bild ragt und die schöne Illusion stört. Das ist mühsam aber letztlich genau das, was unser Leben als Menschen ausmacht, stolpern und fallen, immer wieder aufstehen und staunen und nicht einfach über die Landschaft fliegen im Phantasialand.


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5 Comments

  1. Rolf Noe

    …und ausführliche Post von Stefan:

    1

    Der Mensch & sein Werkzeug. Die menschliche Sprache: bloß ´n Werkzeug? Wie ´n Faustkeil? Oder ´n Hammer? Aber zweckhaftes Handeln – wird´s dem Menschen nicht erst über seine evolutionär entstandene Sprache möglich? Und ist man unfähig zum zweckhaften Handeln – wie sollte man sich Werkzeuge herstellen können? Okay, Bilder – schon eher bloße Werkzeuge. ´n Bild entsteht nicht irgendwie. Man muss es herstellen. Und die Fähigkeit zum zweckhaften Handeln – allemal schon vorausgesetzt. Aber dass der Mensch nun ständig irgendwelche Zwecke verfolgt (und mit Bildern dann nicht erst beim Gebrauch, sondern bereits bei ihrer Herstellung) – ´n Problem? Iwo! Denn klar: Wer Zwecke verfolgt, kann sie auch nach gut oder schlecht bewerten. Und gibt´s ´n Problem, dann nicht, weil er Zwecke verfolgt, der Mensch, sondern zumeist die falschen.

    2

    KI-Produkte: regelgeleitetes Handeln is nich. Klar: Würden wir unsre Sätzlein beliebig und nicht regelhaft verwenden, könnten wir mit jeder Äußerung Beliebiges meinen und die Äußerungen der anderen beliebig verstehen. Und das heißt: eben nichts meinen und auch nichts verstehen. Zum Begriff der Regel gehört dann bekanntlich die Möglichkeit der Abweichung. Und von Regeln abweichen können wir, weil wir unser Handeln (sprachliches und nichtsprachliches) unmittelbar verstehen (oder missverstehen); weil wir es uns nicht wie natürliches Geschehen oder auch tierisches Verhalten erst verständlich machen müssen, indem wir Gesetze aufstellen: von denen dann keine Abweichungen möglich sind, da ein Beurteilungsmaßstab hier doch allein in der Übereinstimmung mit dem Geschehen oder Verhalten besteht. (Dass sich weder durch Beobachtung noch durch (wirkliche) Experimente, die bei Wiederholung nie zu exakt demselben Ergebnis führen, beweisen lässt, dass es universell gültige Naturgesetze gibt, steht noch auf ´nem Extrablatt.) Und (wieder) klar: Mit wahrscheinlichkeitsrechnerisch funktionierenden, Eingefüttertes algorhythmisch variierenden KI-Produkten ist dann der Sprung (wenn man so will) vom natürlichen Geschehen (im weitesten Sinn) zum regelgeleiteten Handeln nicht zu schaffen.

    3

    Hegel lesn? Um da, bevor´s losgeht, kurz ein wenig Klarheit (oder Unklarheit?) zu schaffen: 1. Der Mann ist Vorstellungstheoretiker. Die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke sieht er nicht in deren Gebrauch und dessen Regeln. Er sieht sie in Gegenständen, die man sich zu diesen Ausdrücken vorstellt. 2. Dem erkenntnistheoretischen Modell der sogenannten Subjekt-Objekt-Beziehung klebt er an wie eine Klette. Jedoch: Wann immer auch man sich auf einen Gegenstand bezieht, die Beziehung ist keine schlichte. Allemal ist der Gebrauch gegliederter Sätze (wie zum Beispiel „Das Bier ist schal“) vorausgesetzt, mittels derer man sich dann nicht nur auf einen Gegenstand bezieht (hier: mit „das Bier“), sondern auch noch etwas über ihn sagt (hier: mit „ist schal“). 3. Seine berühmte Dialektik fußt darauf, den Gebrauch des „ist“ in Sätzen wie „Wilhelm ist ein Philosoph“ in eins zu setzen mit seinem Gebrauch in Sätzen wie „Georg ist Friedrich“. Hegel sieht nicht (oder will nicht sehen): Äußert man – behauptend und in Anwendung auf ihn selbst – den ersten Satz, nimmt man mit „Wilhelm“ auf ihn (Hegel) Bezug und spricht ihm mit dem Prädikat „ist ein Philosoph“ eine bestimmte Eigenschaft zu. Äußert man aber – wiederum behauptend und in Anwendung auf ihn – den zweiten Satz, nimmt man mit „Georg“ und auch mit „Friedrich“ auf ihn (Hegel) Bezug; und mit dem „ist“ sagt man, dass der, auf den man mit „Georg“ Bezug nimmt, und der, auf den man mit „Friedrich“ Bezug nimmt, identisch sind. (Und klar: Nur im zweiten Fall lässt sich das „ist“ ersetzen durchs Prädikat „ist identisch mit“.) Aber für Hegel wird nun auch beim Prädizieren (im ersten Fall) eine Identität ausgedrückt. Und da dies dann für ihn eine Identität von Nichtidentischem (ein Gegenstand ist nun mal nicht identisch mit seinen Eigenschaften) und somit ein Widerspruch ist, fällt´s ihm nicht schwer zu behaupten: Zum Sein (was immer er auch darunter verstehen will) gehört die Widersprüchlichkeit. 4. Er operiert mit zwei Wahrheitsbegriffen. Zum einen versteht er Wahrheit als das Objekt in seiner Selbständigkeit gegenüber der Beziehung des Subjekts zu ihm. Von einem Haus jedoch oder einem Baum sagen wir nicht, sie seien wahr, weil es sie unabhängig von unserer Bezugnahme auf sie gibt. Und auch ein Sachverhalt ist nicht schon deshalb wahr, weil er unabhängig von seiner Thematisierung der Sachverhalt ist, der er ist. Zum anderen versteht er Wahrheit als Übereinstimmung von Subjekt und Objekt. In eine akzeptable Form gebracht, könnte das heißen: Behauptet man zum Beispiel, dass ein bestimmter Baum kahl ist, dann ist dieser Sachverhalt wahr, wenn er mit einer Tatsache übereinstimmt. Nur: Im Unterschied zu kahlen oder belaubten Bäumen kommen Tatsachen in unserer raumzeitlichen Welt nicht vor. Es gibt da nix, mit dem unser behaupteter Sachverhalt übereinstimmen könnte. Oder müsste. Denn er ist wahr – und somit eine Tatsache –, wenn der Baum kahl ist; und falsch (und keine Tatsache), wenn er´s nicht ist.

    4

    Ob Sklave oder Knecht: niemals nur ´n Werkzeug! Hält sich ein Herr andre Menschen als Sklaven oder auch nur als Knechte: Er muss sie noch nicht mal ´nem Werkzeug (unbelebten Gegenstand) gleichsetzen wollen. Das ungute Leben, es schlägt schon auf den zurück, der sein Verhältnis zu andren im Wesentlichen auf Befehlen und Gehorchen reduziert. G.W.F. Hegel, auf seine Weise, führt vor, dass der Mensch nie zufrieden ist, wenn er andre nur beherrscht; dass andre ihn nur zufriedenstellen können, wenn sie so eigenständig sind wie er selbst. Und Erich Fromm – als produktiver Hegel-Leser – macht klar: Bildet jemand (um Ohnmacht zu bewältigen und Einsamkeit zu entgehen) wider eine Ausgewogenheit zwischen Selbst- und Weltbezug einen einschlägig vereinseitigten (autoritären) Charakter aus, dann sind sein Wunsch, sein Bedürfnis nach Symbiose, nach Verschmelzung mit anderen durch Beherrschen und Beherrschtwerden, von denen er sich nun leiten lässt, bereits Reaktionen auf ein Unbefriedigtsein im Menschsein selbst. Und sein Wunsch und sein Bedürfnis: Sie sind unersättlich, denn die Spannung löst sich nicht bei der Befriedigung, Lust bleibt immer mit Unlust verbunden.

    5

    KI als Selbstläufer. Als im Zuge der dritten industriellen Revolution, der mikroelektronischen, (vor allem?) für´n kapitalistischen Selbstzweck (Aus-Geld-mehr-Geld-Machen) entwickelt und eingesetzt: Wenn KI jetzt zum Selbstläufer geraten sollte, dann lediglich zum kleinen im Kapitalismus, der ja – obwohl getragen allein durchs Handeln der beteiligten Menschen und dann sozusagen über deren Köpfe hinweg – zum ganz großen geraten zu sein scheint. Schon allein der Zwang der Konkurrenz macht´s notwendig, Programmierern bei ihrer Arbeit jede Kritik auszutreiben und KI wider jede sinnvolle Verwendung etwa im medizinischen Bereich zum Einsatz zu bringen: nicht nur maximal arbeitsvernichtend, sondern überhaupt ohne Rücksicht auf irgendwelche Folgen in sozialer oder natürlicher Welt. Im Kapitalismus (bzw. ohne emanzipatorisch Schluss zu machen mit dem Kapitalismus, der leidigen Aus-Geld-mehr-Geld-Macherei) lässt sich KI nicht zur simplen Befriedigung menschlicher Bedürfnisse (und damit sinnvoll) verwenden. Und wird – ganz klar – unser Leben nicht nur immer mehr vereinnahmen, sondern zunehmend unmöglich machen.

    Literaturtipps:
    Heringer, Hans Jürgen (Hg.): Seminar: Der Regelbegriff in der Praktischen Semantik, Frankfurt am Main 1974
    Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt am Main 1999
    Muckenhaupt, Manfred: Text und Bild, Tübingen 1986
    Tugendhat, Ernst: Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung, Frankfurt am Main 1981
    Tugendhat, Ernst; Wolf, Ursula: Logisch-semantische Propädeutik, Stuttgart 1986
    Tugendhat, Ernst: Vorlesungen über Ethik, Frankfurt am Main 1993
    Tugendhat, Ernst: Egozentrik und Mystik, München 2003
    Tugendhat, Ernst: Anthropologie statt Metaphysik, München 2010

  2. kopfundgestalt

    Wartete man als Fotograf oft lange auf den besonderen Moment oder fing man etwas höchst Ungewöhnliches ein, kann es jetzt erzeugt werden, vermutlich auch mit dem Grad an Unperfektheit, den es nötig macht, um als einzigartiger Fotomoment durchzugehen.

    • Rolf Noe

      Zumindest auf der subjektiven Ebene entwertet das mühelose Erlangen das Produkt des Bemühens. Es ist dann keine Errungenschaft mehr, sondern ein eingekaufter Wettbewerbsvorteil im Ringen um die Gunst des Publikums.

  3. Andreas

    Danke für die kritischen Anmerkungen. Wie immer bei solchen Techniken wird der Normalverbraucher mit dem Versprechen auf ewiges Leben gelockt (besonders für die medizinische Forschung braucht man KI, heißt es ja oft), aber letztlich werden am Ende nur die paar Leute, die sowieso schon unvorstellbar reich sind, den Reibach machen.

    Es ist erstaunlich. Programmiererfreunde, die mir vor 1-2 Jahren noch Seiten wie AI27.com zuschickten, wo vehement vor der Herrschaft von KI gewarnt wird, sind längst in der Defensive und überlegen Strategien, wie sie KI wenigstens noch ein bisschen kontrollieren können. Denn beim Programmieren ist wie bei allem anderen, was KI macht oder was man sie machen lässt, die Blackbox das Problem: Niemand weiß, wie die KI zu dem kommt, was sie macht. Dazu kommt noch der Bias, also die kognitive Verzerrung der LLMs durch ihre Trainingsdaten.

    Erst als ich vor einiger Zeit nachhaltig begriffen habe, dass KI im Grunde immer nur Wahrscheinlichkeiten berechnet, von einem Schritt zum nächsten, wurde mir klar, wie unterschiedlich diese “Denkweise” im Vergleich zu unserer menschlichen ist. Abgesehen davon, dass der “Lebenswelt” einer KI wesentliche Bestandteile einer menschlichen Umgebung fehlen.

    Entweder werden wir uns, wie das wohl die Entwickler hoffen, der KI anpassen! Oder wir werden uns ihr anpassen! 😉 Als Erstes wird das unsere Sprache treffen. KI-Übersetzungen werden schon überall genutzt. Die Sprache, die KI benutzt, wird am Ende schon dadurch unser Denken beeinflussen. Das sind gar nicht die “großen” Veränderungen, aber genau an dieser Stelle wird die kognitive Verzerrung wirken.

    Noch gibt es z.B. in der Literatur den Wunsch nach Authentizität, den Wunsch, dass was ein Mensch liest, auch von einem Menschen geschrieben wurde. Die Unterschiede sind letztlich fein, wenn ich schreibe, wenn ich übersetze, werde ich zu einer Art Pianisten oder Schauspieler, ich finde mich in eine Rolle ein und interpretiere sie. Das wird KI immer nur aus Wahrscheinlichkeiten herleiten können, niemals konstruktiv menschlich bauen können.

    Aber, um KI mal zu vermenschlichen, sie wird versuchen, uns das wegzunehmen.

    • Rolf Noe

      Die Zwickmühle besteht darin, dass wir alle wissen, dass Sie bleiben und unser Leben immer mehr vereinnahmen wird. Meine einzige Hoffnung ist, dass wir Nischen schaffen können in denen weiterhin genuin menschliche Kommunikation stattfinden kann und darf. Aber wir werden darum kämpfen müssen.

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