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Brot und Spiele und ein Buch

Irgendwie ist es praktisch, dass ich ausgerechnet dann im Krankenhaus liege, wenn eine Weltmeisterschaftsvitrine läuft. Ich hab dann den ganzen Tag etwas, auf das ich mich freuen kann und der Abend vergeht dann auch schneller. Man braucht noch nicht Mal überlegen, welches Spiel es sich lohnt anzuschauen, sondern nimmt dankbar was kommt, auch wenn Belgien gegen Iran Null zu Null spielt.

Ich will mich auch gar nicht darüber äußern, was auf allen Kanälen so diskutiert wird, dass zwei Länder, die Krieg gegeneinander führ(t)en im Turnier antreten und was das für Konsequenzen hat. Auch will ich keine Parallelen ziehen zu Mussolinis WM 1934 in Italien oder zu Olympiade 1936 in Berlin. Ich wünsche den Amerikanern nur, dass Sie es schaffen, sich aus dem faschistischen Drecksloch, in das Sie abgerutscht sind, zu befreien. Es wird diesmal niemand zu Hilfe eilen, das muss dann schon aus eigener Kraft klappen. Es geht mir auch nicht darum, die gigantische Geldmaschine FIFA anzuklagen oder mich darüber aufzuregen, dass Sportler zur hochwertvollen Handelswaren verkommen sind. Aber es lässt sich nicht Leugnen, dass es sich dabei um Legionärshorden handelt, die regelkompliziert gegeneinander gehetzt werden zum Vergnügen der Zuschauenden. Und damit sind wir wieder beim Titel. Da es mit dem Brot für die Massen immer knapper wird müssen eben die Spiele aufwändiger gestaltet werden, um davon abzulenken.

All das war nicht Anlass zu meinem Beitrag hier, sondern der Aufruf an alle, die Fußball noch mehr lieben als ich, sich an der Crowdfunding-Kampagne von Kai Behrmann für sein Buch “Amor Eterno” zu beteiligen. Kai Behrmann nimmt das Thema aus einem ganz eigenen Blickwinkel auf. Über seine Verbundenheit mit Argentinien und seine Aufenthalte dort kann er schön zeigen auf welchem fruchtbaren Boden aus Begeisterung und Talent so ein Weltmeister gedeiht. Da geht es nicht nur ums Spiel, sondern um Emotionen und Geschichte rund um das Runde das ins Eckige muss.

Hier ein Zitat, das zeigt, dass Kai Photographie immer aus einem mit dem eigenen Erleben entstehenden narrativen Kontext heraus präsentiert. Er schreibt:

2009 zog es mich wieder nach Argentinien, diesmal mit Presseausweis. Eine seltsame Konstellation: Diego Maradona, das Idol, war Nationaltrainer. Und Lionel Messi, sein designierter Erbe, sollte in Südafrika endlich beweisen, dass er auch im Nationaltrikot der Beste ist. Viele glaubten nicht daran. Man warf ihm vor, er sei seinen Landsleuten fremd geblieben, kenne nicht einmal den Text der Hymne, sei im Grunde kein richtiger Argentinier. Wie sehr ihn das traf, hat Messi damals selbst erzählt: Nach manchen Länderspielreisen habe er tagelang nicht reden wollen.

Ich habe mich auf die Spuren der beiden gemacht. Aber – und das ist der eigentliche Punkt – nicht die Pressekonferenzen haben mich gereizt. Sondern der Weg zu den Wurzeln.

In Rosario besuchte ich Gonzalo Diaz – Messis Sturmpartner aus Kindertagen beim Stadtteilklub Abanderado Grandoli. Vom Fenster seines Zimmers blickt er auf den staubigen Bolzplatz, auf dem alles begann. An der Wand, hinter Glas, hängt ein winziges orange-weißes Leibchen, Kindergröße XS. „Ich habe immer für Lionel aufgelegt“, sagte er. Auf dem Küchentisch lag ein fast volles Panini-Album – nur ein Bild fehlte ihm noch: das seines alten Nebenmanns.“

Wenn ich mir die Spiele anschaue, wundere ich mich immer wieder über die verbleibenden Pressephotograph:innen. Was ihre Anwesenheit angesichts einer 360°Rundum Videoabdeckung wohl noch rechtfertigen mag? Aber ich nehme an, es ist die Faszination der eingefrorenen Momente. Bin gespannt, ob aus der Ecke noch etwas Ikonisches zu erwarten ist.

Ich merke gerade, dass das Thema eigentlich viel zu groß für mich ist und mich auch nicht so brennend interessiert, dass ich noch mehr zu sagen hätte. Aber ich bin meinem Anliegen, euch auf das kommende einzigartige Buch hinzuweisen nachgekommen und kann damit mit der Frage schließen: glaubt ihr, die Argentinier schaffen es noch mal und wenn nicht, wer wird sie von Thron stoßen?


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