Unser letzter „Photo-Rentner-Ausflug“ führte uns nach Stuttgart ins Haus der Wirtschaft, einem völlig übertriebenen Prunkbau aus der Zeit der Industrialisierung. Dort finden einmal im Jahr die Stuttgarter Buchwochen statt. Wir sind ja nicht gerade Illiterat, aber wenn es nicht darum gehen würde, die Preisträger des Deutschen Fotobuchpreises anzuschauen, würde es uns wahrscheinlich im Traum nicht einfallen eine Buchmesse zu besuchen. Trotzdem haben wir eine Runde durch die Hallen gedreht und auch einiges entdeckt, was der Photographie zuzurechnen ist, z.B. großformatige Kalender. Dass sich sowas überhaupt noch verkauft, liegt wahrscheinlich daran, dass es eben ein bequemes und termingerechtes Weihnachtsgeschenk ist. Viel Oft-Gesehenes war dabei, aber auch ein paar Überraschungen in Thema und Format. Fazit hier war, dass sich Harald mit seinen, liebevoll in kleiner Stückzahl verfertigten Macro-Kalendern (gibt‘s demnächst bei calvendo.de) nicht verstecken muss.
Oder die illustrierten Sachbücher, natürlich über das Thema unseres inzwischen ohne konkretes Abschuss-Produkt weitgehend abgeschlossenen Wald-Projektes. Auffällig ist hier, dass die (Photo-)Autoren kaum gewürdigt, manchmal noch nicht mal genannt werden.
Glücklicherweise war ich letztes Jahr schon hier, sonst hätten wir womöglich das Hinterzimmer jenseits der Cafeteria nicht so schnell entdeckt, wo die eigentlichen Ziele unserer Neugier unverkäuflich auslagen.
Our last ‘photo pensioners’ outing’ took us to Stuttgart’s Haus der Wirtschaft, a completely over-the-top, ostentatious building from the industrialisation era. Once a year, it hosts the Stuttgart Book Weeks. We’re not exactly illiterate, but if it weren’t for the opportunity to see the winners of the German Photobook Award, we would probably never dream of visiting a book fair.
Nevertheless, we took a tour of the halls and discovered a few things related to photography, such as large-format calendars. The fact that these still sell is probably because they make a convenient and timely Christmas gift. There were many familiar items, but also a few surprises in terms of theme and format. The conclusion here was that Harald, with his lovingly crafted macro calendars (soon to be available at calvendo.de), has nothing to hide.
Or the illustrated non-fiction books, naturally on the subject of our forest project, which is now largely complete without a specific end product. It is striking here that the (photo) authors are hardly acknowledged, and sometimes not even mentioned.
Fortunately, I was here last year, otherwise we might not have discovered the back room beyond the cafeteria so quickly, where the actual objects of our curiosity were on display, but not for sale.
Es ist schwer einen Überblick zu geben über die Ganzen mit Gold, Silber und Bronze dekorierten Bücher. Goldmedaillen gibt es ja nur je eine pro Kategorie. Aber es gibt eben 12 Kategorien. Auf der Homepage des Deutschen Fotobuchpreises findet man die jeweiligen Gewinner.
Wir haben uns alles angeschaut, aber spannend waren für uns natürlich die Waldbücher, da das Thema uns jetzt eine janze Zeit lang begleitet hat. Schon in der ersten Kategorie hat ein Buch über Pflanzen die Goldmedaille erhalten. Es heißt verwirrenderweise „Science Fiction“, hat den Untertitel „A Non-History of Plants“ und wurde von der „Maison Européenne de la Photographie“ in Paris bei Spector Books herausgebracht. Hier zeigt sich schon ein Nachteil so einer Präsentation auf einer Messe. Man wird neugierig, aber man kann seine Neugier nicht ausführlich befriedigen.
In der Kategorie „Bildband dokumentarische Fotografie“ hat „Buchenwald“ (pun intended, wie es so schon im Englischen heißt) von Christian Rothe die Goldmedaille hier und dann noch von der Stiftung Buchkunst den Titel „eines der schönsten deutschen Bücher“ (zu einem der übelsten deutschen Themen möchte man da gleich mitdenken) abgeräumt. Peter Truschner ist mit den ganzen Ehrungen und Lobpreisungen nicht einverstanden und ich stimme ihm insofern zu, als dass ein gelungenes Buch über Gestrüpp noch lange keine Auseinandersetzung mit dem Thema Zwangsarbeit und willkürlichem Mord an andersdenkenden, andersglaubenden, andersliebenden und andersherkommenden Menschen darstellt. Aber wenn man das Buch unter dem Aspekt der Waldphotographie anschaut und es als eine Feier der allesüberwuchernden Kraft der Natur liest, ist es wiederum großartig.
It is difficult to provide an overview of all the gold, silver and bronze decorated books. There is only one gold medal per category. But there are 12 categories. The winners can be found on the German Photobook Award website.
We looked at everything, but of course we were particularly interested in the forest books, as this topic has been on our minds for quite some time now. In the first category, a book about plants won the gold medal. Confusingly, it is called ‘Science Fiction’, has the subtitle ‘A Non-History of Plants’ and was published by the ‘Maison Européenne de la Photographie’ in Paris by Spector Books. This illustrates one disadvantage of such a presentation at a trade fair. It arouses curiosity, but that curiosity cannot be satisfied in detail.
In the category ‘Illustrated Book Documentary Photography’, ‘Buchenwald’ (https://hartmann-books.com/produkt/christian-rothe-buchenwald-im-dickicht-vom-ettersberg/) (pun intended, as Buchenwald means Beech Forest in German) by Christian Rothe won the gold medal here and then again from the Stiftung Buchkunst the title of ‘one of the most beautiful German books’ (one might be tempted to add ‘on one of the most unpleasant German topics’). Peter Truschner disagrees with all the honours and praise, and I agree with him insofar as a successful book about undergrowth is far from being a confrontation with the subject of forced labour and the arbitrary murder of people who think differently, believe differently, love differently and come from different backgrounds. But if you look at the book from the perspective of forest photography and read it as a celebration of the all-encompassing power of nature, it is magnificent.
Die andern Goldmedaillen hatten nichts mit dem Wald zu tun, deswegen folgen nur noch ein paar Erwähnungen aus den mit Silber oder Bronze dekorierten Büchern.
„Forrest“ von Christoph Engel hat in der Kategorie „Bildband Self-published“ Silber erhalten. Es ist ein Jäger-Buch in zweifachem Sinne. Einmal geht es thematisch um Hochsitze und zum zweiten muss man schon einer Art Jagdinstinkt folgen, wenn man ein ganzes Buch mit Hochständen füllen will, ohne dass es langweilig wird. Zumindest kommt bei der zweiten Art der Jägerei niemand zu schaden.
Bronze in der Kategorie „Bildband fotografische Abschlussarbeit“ hat „Amongst Trees“ von Jürgen Berderow mindestens verdient. In dem Buch dokumentiert der Absolvent der HFK Bremen die menschengemachten Prozesse im ostthüringischen Wald und der dortigen Heidelandschaft, die von Monokultur und militärischer Nutzung geprägt sind. Dokumentation, wie sie im Zeitalter des Anthropozän ruhig häufiger vorkommen sollte.
The other gold medals had nothing to do with the forest, so here are just a few mentions from the books that won silver or bronze.
Forrest by Christoph Engel won silver in the ‘Self-published illustrated book’ category. It is a hunting book in two senses. Firstly, its theme is raised hides, and secondly, you have to follow a kind of hunting instinct if you want to fill an entire book with raised hides without it becoming boring. At least no one gets hurt in the second type of hunting.
Bronze in the category ‘Photographic Thesis’ was well deserved by ‘Amongst Trees’ by Jürgen Berderow. In the book, the graduate of the HFK Bremen documents the man-made processes in the East Thuringian forest and the surrounding heathland, which are characterised by monoculture and military use. This is the kind of documentation that should occur more frequently in the Anthropocene era.
Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch die „Waldameisen“ von Ingo Lang, die in der Kategorie Bildband wissenschaftliche Fotografie die einzige Medaille (Bronze) geholt haben.
For the sake of completeness, I would also like to mention Ingo Lang’s ‘Waldameisen’ (Forest Ants), which won the only medal (bronze) in the scientific photography picture book category.
Natürlich gab es auch noch eine Menge anderer waldfreier Bücher, die Erwähnung verdienen. Hier nur kurz die drei Wichtigsten:
- „Wer bist du Tod?“ von Sonja Hartwig und Nora Klein
- „An den Rändern taumelt das Glück“ herausgegeben von Annett Jahn und Ulrike Mönnig und
- „Erbgericht“ von Andrea Grützner
Ich glaube nicht, dass es Zufall ist, dass zwei von den drei Büchern bei Hartmannbooks erschienen sind. Entweder die machen gute Bücher oder Sie machen einfach Bücher, die zufällig meinen Geschmack treffen. Gleichzeitig muss ich mich bei all den anderen Autoren entschuldigen, bei denen ich nicht genug Zeit hatte, eine entsprechende Wertschätzung oder gar Begeisterung zu entwickeln.
Of course, there were also many other non-forest-related books that deserve a mention. Here are just the three most important ones:
• ‘Wer bist du Tod?’ (Who are you, Death?) by Sonja Hartwig and Nora Klein
• ‘Erbgericht’ (Inheritance Court) by Andrea Grützner
I don’t think it’s a coincidence that two of the three books were published by Hartmannbooks. Either they publish good books, or they just happen to publish books that happen to suit my taste. At the same time, I must apologise to all the other authors for not having had enough time to develop a corresponding appreciation or even enthusiasm for their work.
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Und nun für die Freunde synthetischer Textproduktion ein KI-Version des Artikels. Ich habe Perpexity gebeten mir einen persönlich gehaltenen Blog-Artikel über Goldmedaillen-gewinner des Deutschen Fotobuchpreises zu schreiben. Hier ein Ausschnitt aus dem haarsträubenden Gesülze das dabei rauskam:
Geschichte und Erinnerung: Wenn Fotobücher Verantwortung übernehmen
Unter den Goldmedaillen-Büchern 25|26 gibt es zwei Titel, die sich klar in das Feld der historischen und politisch aufgeladenen Fotografie einordnen lassen: „Buchenwald“ von Christian Rothe bei Hartmann Books und „Edith Tudor‑Hart“, erschienen in der Fotohof Edition. Schon auf der Liste des Deutschen Fotobuchpreises fallen sie auf, weil ihre Themen so schwer wiegen – hier geht es nicht um Lifestyle oder schöne Oberflächen, sondern um Lager, Überwachung, Klassenkampf und die Frage, wie man Bilder aus der Geschichte heute noch zeigen kann, ohne sie zu banalisieren.
„Buchenwald“ trägt einen Namen, der in Deutschland wie ein offener Nerv ist. Der Titel ruft sofort Assoziationen an das Konzentrationslager bei Weimar hervor, an Deportationen, an Bilder von Stacheldraht, Baracken, Wachttürmen, an eine lange Tradition der Dokumentarfotografie über diesen Ort. Rothe knüpft an diese Traditionslinie an, aber ein Goldmedaillen-Buch im Jahr 2025 kann sich nicht damit begnügen, bekannte Motive einfach noch einmal zu reproduzieren. Was dieses Fotobuch so markant macht, ist der Versuch, Distanz und Nähe neu auszutarieren: Das Buch wirkt – zumindest in der Art, wie es beschrieben wird – wie eine lange, kontrollierte Annäherung an ein Gelände, das fotografisch scheinbar bereits „ausdefiniert“ ist.
Beim Blättern entsteht der Eindruck, dass hier weniger eine Chronik als eine Befragung des Ortes stattfindet: Wie fotografiert man Spuren von Gewalt, wenn die Gewalt selbst längst vergangen ist? Welche Details lässt man stehen, welche vermeidet man, weil sie zu ikonisch, zu „fertig“ sind? Die Bildsequenzen lassen Raum zum Atmen, sie zwingen nicht zu schnellen Schlüssen und arbeiten mit einer Form von Zurückhaltung, die fast strenger ist als jede Anklage. Gerade diese Zurückhaltung wirkt für mich wie ein Akt der Verantwortung: Das Buch vertraut darauf, dass die Betrachter:innen die historischen Kontexte mitbringen – und konzentriert sich darauf, den Ort in seiner heutigen Schichtung von Natur, Architektur und Erinnerung zu zeigen.[…]
Gemeinsam zeigen „Buchenwald“ und „Edith Tudor‑Hart“, wie unterschiedlich Fotobücher mit Geschichte umgehen können. Das eine ist ortsgebunden, fast topografisch, und ringt mit der Frage, wie man ein Gelände der Vernichtung im 21. Jahrhundert zeigt; das andere ist biografisch, konzentriert sich auf eine fotografierende Person und die soziale Realität, die sie sichtbar gemacht hat. Beide Bücher verweigern sich einfachen Antworten und benutzen das Medium Fotobuch bewusst als Raum für Ambiguität – für mich ein Grund, warum sie weit über das reine „Dokumentieren“ hinausgehen und sich die Goldmedaille absolut verdient haben.
And now, for those who enjoy synthetic text production, here is an AI version of the article. I asked Perpexity to write me a personal blog article about the gold medal winners of the German Photo Book Award. Here is an excerpt from the hair-raising drivel that came out of it:
History and memory: When photo books take responsibility
Among the gold medal books 25|26, there are two titles that can be clearly classified in the field of historical and politically charged photography: ‘Buchenwald’ by Christian Rothe, published by Hartmann Books, and ‘Edith Tudor Hart’, published by Fotohof Edition. They already stand out on the list of the German Photobook Award because their themes are so weighty – this is not about lifestyle or beautiful surfaces, but about camps, surveillance, class struggle and the question of how images from history can still be shown today without trivialising them.
‘Buchenwald’ bears a name that is like an open nerve in Germany. The title immediately evokes associations with the concentration camp near Weimar, deportations, images of barbed wire, barracks, watchtowers, and a long tradition of documentary photography about this place. Rothe continues this tradition, but a gold medal book in 2025 cannot be content with simply reproducing familiar motifs. What makes this photo book so striking is its attempt to rebalance distance and proximity: the book seems – at least in the way it is described – like a long, controlled approach to a site that appears to have already been ‘defined’ photographically.
Leafing through it, one gets the impression that this is less a chronicle than an interrogation of the place: how do you photograph traces of violence when the violence itself is long past? Which details do you leave in, which do you avoid because they are too iconic, too ‘finished’? The image sequences leave room to breathe, they do not force quick conclusions and work with a form of restraint that is almost more severe than any accusation. For me, it is precisely this restraint that seems like an act of responsibility: the book trusts that viewers will bring their own historical contexts with them – and concentrates on showing the place in its current stratification of nature, architecture and memory. […]
Together, Buchenwald and Edith Tudor Hart show how differently photobooks can deal with history. One is location-specific, almost topographical, and grapples with the question of how to show a site of extermination in the 21st century; the other is biographical, focusing on a photographer and the social reality she has made visible. Both books refuse to provide simple answers and deliberately use the medium of the photobook as a space for ambiguity – for me, a reason why they go far beyond mere ‘documentation’ and absolutely deserve the gold medal.
Translated with the help of DeepL.com
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