Der diesjährige PFotoherbst ist mit einer wundervollen, gut besuchten Vernissage gestartet und bietet ein sehr breites Spektrum dessen, was man im Bereich der seriellen Reise und Reportagephotographie erwarten kann. Es gab internationale Einsendungen und Themen aus aller Welt. Die Ausstellung ist noch bis zum 24.10. 26 im Alten Schlachthof in Pforzheim (Kleiststr. 2) zu besichtigen.
Bei der Vorjurierung, bei der sicher auch Serien ausjuriert wurden, die man gut hätte zeigen können, bei den Vorbereitungen zur Rahmung aber vor allem bei der Hängung der Serien hatte ich ausführlich Zeit mich mit den inhaltlichen und formalen Aspekten der gezeigten Serien zu beschäftigen. Eigentlich wollte ich bei der einführenden Rede auf der Vernissage alle Serien ausführlich würdigen, habe aber schnell bemerkt, dass das nicht möglich sein wird. So habe ich mich auf ein bis zwei Sätze pro Serie beschränken müssen, was ich hier übernehmen werde. Es geht um einen Überblick, um Darstellung der Vielseitigkeit der Ausstellung und um die Möglichkeit sich weitergehend darüber zu informieren was die ausstellenden Reisenden, Dokumentaristen und Künstler sonst noch zu bieten haben.
Ein ordnender Blick auf die ausgestellten Serien zeigt, dass sie uns ganz unterschiedliche Bereiche nahe zu bringen versuchen.
Zum ersten sind da die Reisefotografien:
Christoph Eberle zeigt uns in seiner konzeptuellen Serie „RE 7“ alle Stationen des Regionalexpresszuges zwischen Offenburg und Freiburg durchs Zugfenster aufgenommen.
Sabine Gassner zeigt uns in ihrer Serie „Edge of the Dessert“ die menschenleeren aber von Menschen gemachten Landschaften am Wüstenrand.
Birgit Hantke verführt uns in ihrer Serie „Lost in Snow and Ice“ auf die Lofoten und Vesterålen. Sie zeigt darin typische Häuser in verschneiter Landschaft.
Stefan Henning war mit seiner Lochkamera vom Atlantik bis zum Mittelmeer unterwegs und hat an der französisch-spanischen Grenze entlang an verschiedenen Stationen Bilder für uns aufgenommen.
Ben Umbeer mit Wurzeln in Schömberg, zeigt uns in seiner Serie „A Portrait of Mogador Harbour“, Ansichten des Hafens von Essaouira in Marokko, mit dem dort weilenden Menschen.
Dann gibt es Serien, die sich mit spezifischen Events befestigt beschäftigen:
Alexander Friedrich Beck zeigt uns in seiner Serie „Augenblicke“ Eindrücke vom Dio de los Muertes in Mexiko.
Lothar Zull entführt uns in die bunte Welt der Cardiff Pride Parade in Wales.
Es gibt auch Serien die Spuren der Geschichte zeigen oder Orte, die bald Geschichte sein werden:
Z.B. das „Tal der Papiermühlen“ am Gardasee. Margrit Groh versucht uns dieses Freilichtmuseum der Industriearchäologie in ihrer stimmungsvollen Schwarzweißserie nahebringen.
Uwe Handke zeigt in „Malmberget“ in ruhigen farblich zurückgenommenen Bildern einen schwedischen Ort am Polarkreis, der den Eisenerzabbau weichen muss.
Dietmar Lehne zeigt in seiner berührenden Schwarzweiß-Serie „Kinds auf Rememberence“ Gedenktage und Orte des Erinnerns an den ersten Weltkrieg in England.
An dieser Stelle sollte vielleicht auch noch die Serie „Gernika 1937 – my mother‘s nightmare“ von Aitor Arana erwähnt werden. Die Serie nimmt, weil sie Bildmontagen enthalt, nicht am Wettbewerb teil, ist aber so wichtig, dass wir beschlossen haben, sie trotzdem zu zeigen. Sie erinnert daran, warum Pforzheim und Gernika Partnerstädte sind, und mahnt uns so etwas nie wieder zuzulassen.






Dann gibt es eine ganze Reihe von Serien, die ich als Sozialreportagen bezeichnen würde:
Peter Czikowski führt uns mit seiner Serie „Auf der grünen Wiese Bergedorf West“ ganz unspektakulär in eine Plattenbausiedlung und zeigt Sie und ihre Bewohner in Momentaufnahmen.
Torsten Dodillet zeigt in seiner Serie „Horse with no Name“ in wunderschönen schwarz-weiß Aufnahmen unaufgeregte Bilder vom einem Dressurturnier in Ludwigsburg.
Sandra Hoyn, die bereits zwei Mal den Fotoherbstwettbewerb gewonnen hat, zeigt in der Serie „Gefangen für unsere Unterhaltung“ boxende und in Menschenkleidern posierende Orang Utans und prangert damit den Wildtier-Tourismus in Thailand an.
Fast schon trivial, aber sehr gut fotografiert ist die Serie von Paul Schumacher. Sie heißt: „Unsere Gesellschaft ist stark geprägt von der Allgegenwärtigkeit des Smartphones“ und zeigt genau dies.
Hierher gehören auch diejenigen Serien, die uns Tätigkeiten oder Prozesse vor Augen führen, Handwerk oder Kunsthandwerk zeigen:
Peter Bihr aus der Schweiz zeigt den Anbau und den Verarbeitungsprozess von Waldkaffee in Äthiopien.
Anna Eickhoff aus Pforzheim versammelt in ihrer Serie Handwerker und deren Tätigkeit. Portraits der Menschen wechseln sich ab mit Bildern ihrer Händen.
Manfred Schroth zeigt Schritt für Schritt die Herstellung einer Messingfigur in Ost-Afrika. Auf dem letzten Bild sieht man das Ergebnis des Prozesses.
Bente Mara ist Stachowske zeigt in ihrer Serie „Women, Bees and the Forest“ schwarze Frauen, die in Theorie und Praxis lernen zu Imkern.
Oliver Wolff schließlich lässt uns an den Fahrten eines Arztes teilnehmen, der Menschen mit einer mobilen fahrradbetriebenen Klinik aufsucht, die durch Blut übertragene Krankheiten haben, um sie zu behandeln.
Eine besondere Art von Serien sind diejenigen, die ich gerne als Sammlungen bezeichnen würde. Obwohl sie eher additiv als narrativ sind, erzählen sie doch auch indirekt eine Geschichte:
z.B. „Bel Ape“ von Anouchka Olschewski. Sie zeigt die bunt geschmückten italienischen Dreiradtransporter von Piaggio in den verschiedensten Situationen des Alltags.
Werner Mansholt, der seit 2006 alle Fotoherbst-Wettbewerbe mitgemacht hat versammelt in seiner Serie „Chapeau“ verschiedene Sonnen-Hüte, die er währen des einzigartigen, jährlich stattfindenden Photofestivals in Arles eingesammelt hat.
Schließlich und in unseren Tagen besonders wichtig, die Umweltthemen:
Antonio Cunico, der den Sonderpreis der Stadt Pforzheim für Teilnehmer aus den Partnerstädten gewonnen hat, zeigt in seiner Serie „Mountain Park“ Menschenmassen in den Alpen.
Dario Ernst zeigt in seiner Serie „Kaffeeanbau in Vietnam – im Angesichts des Klimawandels“, wie die im Schatten von Bäumen reifenden Bohnen angebaut und verarbeitet werden.
Muhammad Amdat Hossein aus Bangladesch zeigt in seiner Serie „Living with the Flood“, Menschen, die in einem Überschwemmungsgebiet leben.
Mit der Serie „Homes of Haor“ von Joy Saha bleiben wir in Bangladesch. Er zeigt in fast abstrakten Bildern aus der Vogelperspektive, Siedlung in tiefergelegenen Delta-Regionen Bangladeschs, die in der Regenzeit komplett von Wasser umgeben sind.
Ich hoffe ich habe mit meinem kleinen Ausstellungsrundgang nicht gelangweilt, vielleicht sogar dazu angeregt sich die Serien mal anzuschauen. Eine Gelegenheit wäre am 16./17.10 beim fotocamp Pforzheim (Anmeldung erforderlich). Da sind wir im Schlachthof, ich werde anwesend sein und bei Bedarf auch durch die Ausstellung führen.
Alle Bilder von Ralf Sonnet
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Die Serie von Paul Schumacher würde mich interessieren, habe ich doch staunend und ungläubig dies in Tokio 2001 beobachten können: Ein jeder fokussiert auf sein Handy
Es gab mindestens zwei Serien zu diesem Thema in der Vorauswahl. Diese Serie kam rein, weil sie auch noch gut photographiet und in sich stimig war. Also entweder vorbeikommen oder den Katalog kaufen. Den gibt es für kleines Geld unter https://shop.kulturmat.de/
Die Fahrt ist mir zu weit, habe den Katalog bestellt.