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Mit Photos gegen Panzer /With Photos against Tanks

“Alles, was in der Ukraine passiert ist, angefangen mit dem Maidan, ist eine Konfrontation zweier unterschiedlicher Kulturen, die sich nicht verstanden haben. Die eine Kultur versuchte, sich an alte Zeiten, an alte Lebensweisen zu klammern. Sie sehnten sich nach einer Vergangenheit, die ihnen, ihren Eltern und Großeltern viel bedeutete. Doch es gab eine andere Kultur, die ganz anders empfand. Sie blickten nach vorn, um etwas Neues zu schaffen, ein anderes Land. Mit dem Wort Kultur meine ich eine Weltanschauung, ein Begriff, der eine Geisteshaltung umfasst. Auf dem Maidan prallten nicht nur zwei Generationen aufeinander. Es waren zwei Kulturschichten, die auf dem Territorium eines einzigen Landes aufeinander prallten.”

 >>Maxim Dondyuk `Culture of Confrontation’<< 

Putins Überfall auf die Ukraine hat alle hier fassungslos gemacht. Mich auch sprachlos. Man könne angesichts dieser Aggression nicht einfach weiter bloggen, hieß es in Bloggistan. Ich konnte, auch weil mir einfach nichts zu diesem offensichtlichen Einbruch des 20. in das 21. Jahrhundert eingefallen ist. Aber man braucht sich nicht zu wundern. Das Wiedererstarken der Nationalismen musste auch alte territorialistische Tendenzen wieder an die Oberfläche spülen. Zudem ist es so, dass im Osten der Ukraine schon seit acht Jahren kein Frieden mehr herrscht und der Westen mit seiner verhaltenen Reaktion auf die Annektierung der Krim Phantasien von territorialer Restitution befeuert hat. Die Idee, man könne mit begrenzten Überfällen Land gewinnen, war verlockend. Putin ist in die Falle getreten und muss jetzt sehen, wie er da wieder rauskommt.

Er ist durchaus kein verrückter Tyrann, sondern ein eiskalt kalkulierender Machtpolitiker. Könnte halt sein, dass er sich dieses Mal verrechnet hat. Auch die Hoffnung, mit Krieg nach außen, (den man beschönigend militärische Spezialoperation nennt) die murrenden Stimmen in der Bevölkerung zum Schweigen bringen zu können, könnte nach hinten losgehen – mal schauen. Ich habe auch keine Blau-Gelben Bilder gepostet. Das ist zwar symbolisch durchaus beeindruckend, aber läuft sich auch schnell tot in den Bilderströmen. Ich halte nicht viel davon, mit solchen symbolischen Aktionen sein Gewissen beruhigen zu wollen. Das gilt auch für die Politik. Waffen zu liefern ist keine Lösung, sondern gießt Öl auf das Feuer des Krieges.

Ich habe mir schon vor dem Überfall ein Photobuch über die Ukraine bestellt. Da ich kein Bezug dazu habe schien mir das ein Weg, mich dem Thema anzunähern. „In Limbo“ von Florian Bachmeier. Es zeigt eine Ukraine, in diesem Zwischenstadium oder kulturellen Übergangs zwischen den Resten der UdSSR-Vergangenheit und in Hoffnung auf eine Anbindung an die Demokratien westlicher Prägung, aber letztlich auch zwischen Heimat, Familie und Orthodoxie einerseits und Globalisierung, Toleranz und Kapitalismus andererseits. Es ist halt nicht so, wie es unsere Medien gern hätten, dass wir im Westen die Guten sind, nur weil wir jetzt einen passenden Bösewicht gefunden haben, auf den wir alles Übel projizieren können. Yuval Noah Harari fasst die Situation, in der dieser Krieg ausgebrochen ist, in seinem Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ im Kapitel `Krieg´ recht gut zusammen. Eigentlich passen globale Kriege nicht mehr in unsere Zeit, aber das schützt uns nicht davor, trotzdem in einen hineinzuschlittern.

Es gibt auch sonst noch eine ganze Reihe von Fotobüchern über die Ukraine oder aber über den Konflikt dort, wie z.B. „Culture of Confrontation“ von Maxim Dondyuk, aus dem das vorangestellte Zitat stammt.  Oder „Occupation“ von Andrii Dostliev, das eher eine künstlerische Verarbeitung der Situation zeigt.

Mark Neville hat, auch schon vor dem Überfall, eine Kampagne „Fotobücher gegen Panzer“ ausgerufen. Das Buch dazu erscheint jetzt im März. Ich habe es über Großbritannien bestellt da kostet das Porto nur halt so viel wie beim Herausgeber in den USA. Vielleicht gibt es ja auch bald ein Vertrieb in Deutschland. Natürlich denke ich nicht, dass man mit dem Kauf von Fotobüchern den Krieg beenden kann, aber das kann man auch nicht mit dem posten von blau-gelben Bildern. Auch wenn, wie Andreas Moser „Der reisende Reporter“ in seinem Blog zeigt, das durchaus dem Selbstausdruck des ukrainischen Volkes entsprechen könnte.

“Everything that happened in Ukraine, starting with the Maidan, is a confrontation of two different cultures, that didn’t understand each other. One culture tried to cling to old times, old ways of living. They were nostalgic for a past that meant a lot to them, to their parents and grandparents. Yet there was another culture that felt completely different. They looked ahead to forging something new, a different country. By the word culture, what I mean is worldview, a term that encompasses a state of mind. On the Maidan it wasn’t merely a clash of two generations. There were two layers of culture colliding within the territory of a single country.” 

>>Maxim Dondyuk `Culture of confrontation’<<

 

Putin’s invasion of Ukraine has left everyone here stunned. Me too, speechless. In the face of this aggression, one could not simply continue blogging, they said in Bloggistan. I could, partly because I just couldn’t think of anything to say about this obvious 20th century incursion into the 21st century. But there is no need to be surprised. The resurgence of nationalisms was bound to flush old territorialist tendencies to the surface again. Moreover, there has been no peace in eastern Ukraine for eight years now, and the West’s restrained reaction to the annexation of Crimea has fuelled fantasies of territorial restitution. The idea that land could be won with limited incursions was tempting. Putin fell into the trap and now has to see how to get out of it.

He is by no means a crazy tyrant, but a coldly calculating power politician. It could just be that he has miscalculated this time. The hope of silencing the grumbling voices in the population with a war on the outside (which is euphemistically called a special military operation) could also backfire – let’s see. I have not posted any blue and yellow pictures either. It is symbolically impressive, but it quickly dies in the stream of images. I don’t think much of trying to soothe one’s conscience with such symbolic actions. This also applies to politics. Supplying weapons is not a solution, but pours oil on the fire of war.

Even before the invasion, I ordered a photo book about Ukraine. Since I have no connection to it, it seemed like a way to approach the subject. “In Limbo” by Florian Bachmeier. It shows an Ukraine in this intermediate stage or cultural transition between the remnants of the USSR past and in hope of a connection to Western-style democracies, but ultimately also between homeland, family and Orthodoxy on the one hand and globalisation, tolerance and capitalism on the other. It’s just not the case, as our media would like it, that we in the West are the good guys, just because we have now found a suitable villain onto whom we can project all evil. Yuval Noah Harari summarises the situation in which this war has broken out quite well in his book “21 Lessons for the 21st Century” in chapter `War´. Actually, global wars no longer fit into our time, but that does not protect us from slipping into one anyway.

There is also a whole series of photo books about Ukraine or about the conflict there, such as “Culture of Confrontation” by Maxim Dondyuk, from which the preceding quotation comes.  Or “Occupation” by Andrii Dostliev, which is more of an artistic treatment of the situation.

Even before the raid, Mark Neville had launched a campaign called “Photo Books Against Tanks”. The book is now being published in March. I ordered it from the UK , becaus the postage is only half of that from the publisher in the USA. Perhaps it will soon be distributed in Germany too. Of course, I don’t think you can end the war by buying photo books, but neither can you by posting blue and yellow pictures. Even if, as Andreas Moser “The Travelling Reporter” shows in his blog, this is very much in line with the self-expression of the Ukrainian people.

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6 Comments

  1. gkazakou

    Danke für die sachlichen Hinweise und abwägende Sprache in einer Zeit, in der die Gemüter leicht hochkochen. Ich glaube aber nicht, dass hier zwei “Zivilisatonen” der beschriebenen Art zusammenstoßen. Rückwärtsgewendete und vorwärtstreibende Kräfte, wohin auch immer, gibt es in allen Ländern. Während des Maidan meldeten sich sowohl die nationalistisch-rechtsextremistischen als auch die Demokratie und Rechtstaatlichkeit fordenden Kräfte zu Wort. Und in Russland gibt es auch beides.

    • Rolf Noe

      Das hast Du möglicherweise falsch verstanden. Ich (und der von mir zitierte Autor) meinte damit nicht die Konfliktparteien Russland und Ukraine, sondern die Situation innerhalb der Ukraine. Putins Überfall versucht nur zu verhindern, dass die vorwärts gewandten Kräfte, die Überhand bekommen und sich vom “Bruderland” abwenden. Aber möglicherweise erreicht er damit langfristig genau das Gegenteil.

    • Rolf Noe

      Ja, es ist abgesehen vom Inhalt auch ein interessant und ansprechend gestaltetes Buch. Allein dass die Photos über den Seitenrand hinaus auf der nächsten Seite weitergehen bietet verschiedenste Betrachtungsmöglichkeiten (siehe Titelbild des Beitrags)

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