Kürzlich erhielt ich auf Insta per PN eine Einladung zu einem Vortrag über die diesjährigen Ereignisse in Arles. Gut, dachte ich, das interessiert mich. Wenn ich schon nicht da war, dann möchte ich wenigstens wissen, was da so lief. Als ich aber den Link klickte, war ich erst mal geschockt, weil der Frühbucherpreis für dieses Online-Event fast 50 € betrug. Das kann ich mir definitiv nicht leisten. Nachdem ich mich dann ein wenig abgeregt hatte musste ich mir zugeben, dass es ja aus der Sicht dessen, der das Angebot macht, ein durchaus angemessener Preis dafür sein kann, dass man nach Arles gereist ist, dort lange genug war, um sich einen Überblick zu beschaffen, vorher jahrelang geackert hat, um die entsprechenden Leute zu kennen, mit denen man sich auf hohem Niveau austauschen kann und so weiter. Dazu kommen Kosten für die Zeit, die man gebraucht hat und die paar tausend Bilder, die man dort gemacht hat zu sortieren und für einen Vortrag aufzubereiten, die Kosten für die Ausrüstung und einen entsprechend großen Zoom-Raum. Das ist möglicherweise noch nicht alles, aber das kostet alles Geld. Also klar will die Person das refinanziert haben.
Aus meiner Sicht ist das aber insofern kritisch, als ich versuche, meine persönlichen und handgemachten Eindrücke aus dem Photo-Bereich kostenlos anzubieten. Wenn jetzt aber, und das ist zunehmend der Fall, die wichtigen Leute in diesem Business alle anfangen sich hinter Pay-Walls zu verstecken, dann wird es schwierig für mich an qualitativ hochwertige Fakten und Meinungen zu kommen und mein Niveau begibt sich langsam, aber sicher in den Sinkflug.
Schade ist auch, dass ich nicht mehr überall drankomme, da ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so viel reisen kann und deswegen auch auf Informationen aus zweiter Hand angewiesen bin.
Ich kann nur zu gut verstehen, dass sich kreative Schreibende und Photographierende irgendwie finanzieren müssen und deswegen auf entsprechende Plattformen zurückziehen, wo sie zumindest die Option haben bestimmte Beiträge beitragspflichtig zu machen. Zuerst ist mir das auf Patreon begegnet. Ich wollte Jörg Colberg folgen, weil ich irgendwo gehört hatte, dass er herausragende Beurteilungen von Photobüchern schreibt. Was ich lesen konnte, klang auch alles interessant und persönlich, aber einige Artikel war eben für nichtzahlende „Gäste“ nicht zugänglich. Ich verlor so ein wenig den Mut und schau nur sehr selten wieder rein. Ich muss zugeben, dass ich noch nicht mal nachgeschaut habe, was es mich kosten würde (Nachtrag: Es kostet mind. 4,50€/ Mo.).
Dann habe ich Substack entdeckt, das, soweit ich das beurteilen kann, ähnlich aufgebaut ist. Ich folge da von Anfang an Andy Adams und Dina Litovsky, die beide relativ viel auch öffentlich teilen. Aber auch hier habe ich keine bezahlten Abos und letztlich überfordert mich schon, dass was da von dem halben Dutzend an Photoleuten so reinkommt. Ab und zu lese ich was, aber das war’s auch schon.
Meine Entscheidung die englischen Übersetzungen meiner Texte auf Substack zu veröffentlichen war auch eher daher motiviert, dass ich ein wenig aus der Blogosphäre raustreten wollte und um evtl. mehr internationale Leser anzusprechen. Bisher ist der Plan nicht aufgegangen. Ich habe etwa 50 Abonnenten „mitgenommen“ und es sind noch 2-3 Neue dazu gekommen. Die Abonnenten hier auf „photo-philosophy.net“ sind schon seit Jahren konstant bei ca. 200 wobei ich nicht gut abschätzen kann wie viele Datei-Leichen dabei sind.
Ich bin weiter fest entschlossen auch gegen diesen Trend hart zu bleiben und mich nicht zu verkaufen (keine Werbung, keine Bezahl-Abos, keine KI) aber der Druck wächst. Letztlich geht es auch gegen meine ursprüngliche Absicht, anspruchsvollere Inhalte aus dem Bereich der Photographie für ein Publikum aufzubereiten, dass nicht willens oder in der Lage ist sich auch Zugang zu der Photobubble oder gar den akademischen Diskursen rund um Bilder und ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft zu verschaffen. Die Pay-Walls sind aus dieser Sicht ein Symptom der Refeudalisierung unserer Gesellschaft, wo Privilegien darüber entscheiden, wozu man Zugang hat.
Was für Erfahrungen hab ihr auf entsprechenden Plattformen gemacht und welche Entscheidungen habt ihr diesbezüglich getroffen? Schreibt das gerne in die Kommentare.
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Hallo, ich bin eine relativ neue Abonnentin und möchte dich einladen, meine Reisereportagen auf meiner Website http://www.foto-fantasien.com zu besuchen: Norwegen, Kuba und andere. Eine Fotoreportage über Lofoten ist in Vorbereitung. Der Besuch ist kostenlos.
Hallo Rosemarie, schön dass Du hier gelandet bist. Gerne schaue ich mir mal deine Seite an.
Ich bin mir nicht sicher ob wir uns schon mal begegnet sind, aber gehört hab ich schon von dir.
Vielleicht sehen wir uns ja mal auf dem Pforzheimer fotocamp im Oktober
Spannender Artikel von der oben erwähnten Substack-Autorin über das Schreiben in Zeiten von KI. Es wird u.a. deutlich dass Substack alles andere als ein KI-freier Raum ist:
https://dinalitovsky.substack.com/p/how-an-ai-detection-tool-triggered?utm_source=share&utm_medium=android&r=264wol&triedRedirect=true
und noch was von meinem treuen Freund Stefan:
´s ist schon ´n Kreuz: Einerseits muss man Geld verdienen, um auch nur halbwegs über die Runden zu kommen. Andererseits bedient man damit, ob man nun will oder nicht, den Selbstzweck kapitalistischer Aus-Geld-mehr-Geld-Macherei. Und je weniger die gesamtgesellschaftlich noch funktionieren will, desto blindwütiger versteift man sich auf eine radikal betriebswirtschaftliche Perspektive: Alles soll verschwinden, was der Geldmacherei nicht direkt dient oder dienstbar gemacht werden kann. Und an eine (emanzipatorische) Alternative zu der ganzen Scheiße wird noch nicht mal mehr auch nur gedacht.
Ich kann das Spannungsfeld, das du beschreibst, sehr gut nachempfinden. Die Haltung, dass es im Web heute nahezu alles grenzenlos und umsonst gibt, ist ja weitverbreitet. Grundsätzlich habe ich die Einstellung, Qualität soll und darf ihren Preis haben. Allerdings führt das in neue Spannungsfelder. Diese Haltung ist zunächst mal ein Vertrauensvorschuss. Ob die Qualität wirklich dem Preis entsprach, kann ich immer nur nachträglich feststellen. Aus der Sicht der Anbietenden von Qualitäts-was auch immer besteht natürlich auch ein Dauerrisiko, den Anforderungen nicht mehr zu genügen und Kundschaft zu verlieren. Bloggende brauchen sich zunächst mal keine Sorgen zu machen, nicht mehr gelesen zu werden. In der Umsonst-Anspruchsgesellschaft kommen immer Klickende vorbei. Niedrige Qualität wird da eher hingenommen. “Hat ja nix koschdet…” sagt der Schwabe.
Also mein Fazit: wenn ich die Qualität kenne, bezahle ich gerne, wenn nicht, zögere ich lange. Wenn sich eine Person sehr persönlich äußert, warum sie etwas, mit welchen Mitteln, aus welchem Erfahrungsschatz heraus, weitergeben möchte, schmilzen meine Vorbehalte meistens wie Eis in der Sonne.
Danke! Lg
Lieber Rolf,
ja, die Entwicklung ein und alles zu Kommerzialisieren hat eine Dynamik gewonnen, die unsere Gesellschaft rasant verändert. Wer kann und soll dies stoppen, wo die Geldgier vor den höchsten Staatsämtern nicht halt macht? Wenn hier kein gesellschaftliches Umdenken einsetzt, sehe ich für unsere Zukunft schwarz.
Bleib standhaft!
Horst
Ja, es ist ein Dilemma, das auch für gute journalistische Recherche gilt: natürlich muss die finanziert werden, aber wer kann es sich leisten, alle zu abonnieren? Dass du weiterhin kostenfrei postest, freut mich.