Foto von Karl Peters
Teil 2: Otto Steinert und Schüler
Bei Otto Steinert fällt mir die Annäherung noch schwerer als bei Gottfried Jäger, unter anderem auch deshalb, weil er so viele Facetten gehabt zu haben scheint, dass es nicht leicht sein wird den Mann und seinen Einfluss auf die Entwicklung der Photographie in der zweiten Hälfte des 20ten Jahrhunderts zu fassen.
Bei der Recherche, die ich auf der Seite der Kulturstiftung beginne stoße ich gleichzeitig auf unhaltbare Vereinfachungen wie den Titel „Der subjektive Fotograf“, zutreffende Aussagen wie „einer der einflussreichsten Lehrer und Vermittler von Fotografie“ sowie auf eine nur angedeutete dunkle Seite in der Zeit vor 1945. Denn „im Krieg Stabsarzt, ab 1943 Referent im Generalstab des Heeres in Berlin und Mitarbeiter an pharmakologischen Forschungsprojekten“ klingt nicht gerade nach einer sympathischen Vergangenheit, auch wenn Steinert schließlich entnazifiziert wurde.
Sein Einstieg in die Photographie verdankt sich Schwierigkeiten, die er hatte, wieder als Krankenhausarzt tätig zu werden. Er beginnt in einem Photoatelier, wirkt auch als Theaterphotograph, wird aber schnell Lehrer in der Fotoklasse an der neu gegründeten Staatlichen Saarländischen Schule für Kunst und Handwerk, wo er von 1952 bis 1959 als Direktor die Ausgestaltung der Photographieausbildung prägen sollte.
Wahrscheinlich ist Steinert auch am besten zu verstehen, wenn man seinen Beitrag zur Ausbildung und Prägung einer neuen Generation von Photographen betrachtet. In seiner Zeit im Saarland ging es im Wesentlichen darum, positive Ansätze der Vorkriegszeit aufzugreifen, um daraus etwas Neues entwickeln zu können. Dabei waren es im Wesentlichen die Ansätze von Bauhaus und Neuem Sehen und die in der Zwischenkriegszeit entstandene Bildberichterstattung, die die Ausbildung aber auch die künstlerische Arbeit von Steinert beeinflusst haben.
Bereits 1949 gründete er zusammen mit Wolfgang Reisewitz (1917–2012), Ludwig Windstoßer (1921–83) und Toni Schneiders (1920–2006) die Fotografengruppe „fotoform“, die schon 1950 auf der ersten „Photo-Kino-Ausstellung“ (der späteren „Photokina“), erfolgreich ausstellte. Der einzige Name aus dieser Gruppe, der mir schon mal über den Weg gelaufen ist, ist Peter Keetman. Aus dem Titel einer Ausstellungsreihe dieser Gruppe stammt auch das Label „Subjektive Photographie“.
Man kann sich darüber streiten, ob Steinert seine Ausrichtung geändert hat, weil er 1959 an die Folkwang-Schule in Essen gewechselt hat oder ob er gewechselt hat, weil er sich von der „subjektiven Photographie“ sowieso schon verabschiedet hatte oder ob es auch einem Trend der Zeit zu verdanken sei, dass diese Transition stattfand. Wahrscheinlich ist es eh schon schwierig diese Überbegriffe klar zu fassen aber es ist dieser Schritt, den Gottfried Jäger als Verrat am frühen Programm der „Verabschiedung von der darstellenden Funktion der Photographie“ bemängelt hat. Denn es ist damit ja auch ein Stück weit ein Schritt vom künstlerischen Anspruch weg und hin zu werbeträchtigerem Design und darstellender Reportage.
Nichtsdestotrotz war Steinert auch in Essen ein gefragter Lehrer und Sachverständiger auf dessen Urteil viel Wert gelegt wurde. Erst Ende der sechziger Jahre kam er mit seinem kritischen, aber nicht besonders kritikfähigen Stil in Konflikt mit den studentenbewegten Zeiten.
Eigentlich wollte ich auch über seine Schüler schreiben. Die sind aber so zahlreich und so unterschiedlich, dass ich mich darauf beschränke auf die Aufsätze in dem Band Steinert-Schüler – Fotografie und Ausbildung 1948-78 (nur noch antiquarisch zu bekommen) von Ute Eskildsen hinzuweisen. Die Linie von Timm Rautert bis hin zu Adrian Sauer habe ich schon im ersten Teil bereits erwähnt. Einige andere Namen, die vielleicht noch dem Einen oder Anderen bekannt sein könnten wären in Saarbrücken Kilian Breier, der die konkrete Photographie weiter entwickelte, Detlef Ortlopp und Guido Mangold, der als Pressephotograph Karriere machte,
Einige Schüler Steinerts aus der Folkwang -Zeit, die heute noch bekannt sein könnten, wären Ute Eskildsen, die über ihre Publikationen noch präsent ist, Andre Gelpke, der für seine Bemühungen um die künstlerische Autorenphotographie bekannt sein könnte, Dirk Reinartz, der sich in seinen Arbeiten intensiv mit Deutschland und seiner unheilvollen Geschichte auseinandergesetzt hat, Heinrich Riebesehl, der u.a. für die photographische Dokumentation von Happenings in den sechziger Jahren bekannt ist und Michael Wolf, der zehn Jahre in Hongkong gelebt und uns der Fernen Osten medial nahegebracht hat. Die Liste könnte sicher noch fortgeführt werden, aber inzwischen ist eben auch diese Photograph:innengeneration nur noch über ihre Worte und Werke bekannt. Vielleicht ist das ja auch einer der Gründe, warum eine Annäherung ans Otto Steinert so schwierig ist. Er gehört eben der Großväter- oder gar Urgroßvätergeneration an deren Wirken nur noch über ihren Einfluss auf folgende Generationen spürbar wird.





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Tolle Recherche!
Danke! Ist leider alles andere als vollständig und möglicherweise auch nicht ganz historisch korrekt, aber es ging mir darum, mir und damit den interessierten Mitlesern einen Überblick zu verschaffen, der dann wieder Ausgangspunkt für weitere Erkundungen sein kann.