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What is it good for? Absolutely nothing!

Etwas irritiert stand ich im Frühsommer vor solchen Plakaten. Ich fragte mich ernsthaft, was das soll, was da eigentlich die Botschaft sein soll. Meine emotionale Antwort war ablehnend und sorgenvoll, was die Zukunft angeht. Aber ich dachte mir, dass eine Analyse dieses Plakates als einem Beispiel für eine Text-Bild-Kommunikation hier Not tut. Mittels des Plakats werden hier kommunikative Handlungen (schrift)sprachlich und bildlich vollzogen. Das ist ein Fall für meinen Freund Stefan, der sich auch gleich bereitgefunden hat, die folgende Analyse zu liefern:

 Das Plakat besteht aus vier graphisch unterschiedenen Textteilen und dem das Plakat dominierenden Foto einer aus 13 Personen bestehenden, zum größten Teil militärisch uniformierten und – ganz klar – fürs Foto und eine vertikal-achsensymmetrische Bildkomposition arrangierten Gruppe. Ziemlich genau in Foto- und damit in Plakat-Mitte hockt – wohl im Kanuten-Sitz, wie sich unschwer recherchieren lässt – ein medaillenbehangener Typ im Trainingsoutfit. Links und rechts von ihm stehen oder sitzen jeweils sechs Personen, dabei zwei auf jeder Seite (eindeutig) weiblich, die anderen (eindeutig) männlich. („Jesus & zwölf JüngerInnen“ fällt vermutlich nicht nur mir spontan dazu ein.) Aus Rezipientenperspektive rechts vom Sportler sind ein Mann und eine Frau (eindeutig) zivil gekleidet, ein älterer weiterer Mann scheint eine Art (für mich nicht näher identifizierbaren) Blaumann zu tragen, der dezent mit Abzeichen und Orden dekoriert ist.

Die restlichen Personen stecken in unterschiedlichen Bundeswehruniformen, wobei die linke Gesichtshälfte einer uniformierten männlichen Person leicht entstellt wirkt. Links vom Sportler sind wiederum zwei Frauen und drei Männer bundeswehrmäßig uniformiert und ein kleiner feixender Typ mit Glatze, Brille, Bart und vorm Bauch gefalteten Händen trägt, nennen wir´s mal, ein religiöses (wohl protestantisches oder eher doch katholisches) Ornat. Besonders auffallend in der linken Gruppe sind eine etwas korpulent anmutende und den Rezipienten mit Strahlemiene beglückende farbige Frau in (soweit ich´s identifizieren kann) blauer Luftwaffenuniform; und ein seitlich auf einer metallfarbenen Kiste hockender, den Rezipienten fixierender Typ, der mittels kurzer (oder hochgezogener) Hosen dem Rezipienten insbesondere sein linkes Prothesenbein, aber dahinter auch das, noch vollständig intakt zu sein scheinende, rechte Bein präsentiert.

Wie bei einem Plakat kaum anders möglich, werden Texte und Bild gleichzeitig und in spezieller Anordnung präsentiert.

Das Foto, würde ich sagen, dient fürs Erste als Blickfang: Mit dem Foto wird so versucht, den Rezipienten aufmerksam zu machen aufs Plakat und seine Neugierde zu wecken. 

Was den mittig überm Foto platzierten und als dessen Überschrift verstehbaren Textteil betrifft:

Das in großer, fetter Schrift präsentierte „Einmal dabei, immer verbunden!“ lässt sich, so scheint mir, zunächst als Slogan verstehen, wobei freilich noch nicht ganz klar ist, für welches Unternehmen oder welche Institution hier Werbung gemacht werden soll. Und dann bietet sich mir ein Verständnis derart an, dass hier nicht nur behauptet wird, dass immer verbunden ist, wer einmal dabei ist/war, sondern zugleich der Hinweis erfolgt, das Foto zunächst einmal als Darstellung solcher anzusehen, die dabei sind/waren und so immer verbunden sind.

Dass es die Bundeswehr sein soll, bei der man sein oder gewesen sein muss, um immer verbunden zu sein (und es auch die Bundeswehr ist, für die mit einem Slogan Werbung gemacht wird), erschließt sich dem Rezipienten dann zum einen durch die Uniformen, die die Mehrzahl der fotografierten Personen trägt; und zum anderen durch die in kleinerer Schrift und in Normaldruck ausgeführte zweite Zeile dieses Textteils: „Schulter an Schulter – Deutschland feiert seine Veteraninnen und Veteranen.“

Und diese zweite Zeile scheint mir dann nicht nur der Mitteilung zu dienen, dass – ebenfalls in enger oder sogar besonders enger Verbundenheit – Deutschland seine VeteranInnen feiert. Denn indem dies hier mitgeteilt wird, scheint mir geradezu versichert zu werden: Wer einmal bei der Bundeswehr ist/war, ist nicht nur mit den KollegInnen und Ex-KollegInnen, sondern auch mit Deutschland – eng oder sogar besonders eng – verbunden.

Will sich der Rezipient nun – das Plakat betreffend – weiter kundig machen, so kann er das – bundesdeutschen Lesegewohnheiten entsprechend – bequem tun: Links oben wird ihm mitgeteilt, dass es jetzt einen mit V-Logo ausgestatteten Veteranentag gibt, an dem Deutschland in Verbundenheit freilich nicht nur seine Veteranen, sondern auch seine Veteraninnen feiert. Rechts oben kann er erfahren, zu welchem Datum dieser Veteranentag benannte VeteranInnentag angesetzt ist. Und rechts unten kommt´s dann, zum krönenden Abschluss, so richtig dick: Quasi die Einleitung des sich hier befindenden vierten Textteils scheint durch eine vor seinem linken Rand abgebildete, unüblich gedrehte und national eingefärbte Lavendelschleife zu erfolgen, wie sie als Symbol für Krebsaufklärung und Verbundenheit mit den von Krebs Betroffenen bekannt ist. Womit dann wohl suggeriert werden soll, eine staatlicherseits pro militärischen und nationalen Zusammenhang geleistete (Pseudo-) Aufklärung und eine in diesem Zusammenhang wie auch immer bestehende Verbundenheit könnten sich mit Krebsaufklärung und Verbundenheit mit den von Krebs Betroffenen vergleichen oder gar gleichsetzen lassen.

Was dann den eigentlichen Textteil betrifft: Indem hier, wie mir scheint, mittels der verkürzten, fettgedruckten und die erste Zeile ausmachenden Sätzen „Veteranentag. Einfach Respekt.“ festgestellt (und nicht etwa behauptet) wird, dass ein Veteranentag stattfindet und dass man dies schlicht zu respektieren hat, soll wohl jetzt suggeriert werden, dass es sich bei der einschlägigen Veranstaltung um etwas völlig Unkontroverses handelt, das sich quasi von selbst versteht. Und mit dem in Normaldruck gehaltenen „Informiere dich weiter unter: Veteranentag.gov.de“ in der zweiten und dritten Zeile scheint mir dann der autoritär (und nicht etwa egalitär) geduzte Rezipient aufgefordert (und nicht etwa gebeten) zu werden, sich (gefälligst) der Angabe entsprechend weiter zu informieren. Und schließlich, im Textteil nach rechts versetzt und in kleinster auf dem Plakat verwendeten Schrift, aber wiederum fettgedruckt, wird kenntlich gemacht, wer hier mittels Plakat mit dem Rezipienten kommuniziert: „Die Bundesregierung“.

Tut man dann, wozu man als Rezipient aufgefordert wurde, dann kann man sich u.a. darüber informieren, dass gut ein Jahr, nachdem der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit die Einführung eines Veteranentags beschlossen hat, die Bundesrepublik Deutschland am 15.06.25 den 1. Nationalen Veteranentag feiert; dass das Plakat Teil ist einer Werbekampagne zu diesem 1. Nationalen Veteranentag, mit der ein breites Publikum durch Formate im öffentlichen Raum sowie über Print-, Hörfunk- und Online-Medien entsprechend informiert werden soll; wobei man dann u.a. auch durch Interviews mit VeteranInnen dazu beitragen will, dem neuen Nationalen Veteranentag ein Gesicht zu geben und zum Dialog einzuladen; dass als VeteranInnen alle BundesbürgerInnen gelten, die aktuell dienen oder jemals gedient haben und dann ehrenhaft aus dem Militärdienst ausgeschieden sind, und dass es gegenwärtig rund 10 Millionen VeteranInnen gibt; dass der für alle BundesbürgerInnen offene Festtag als ein besonderer Tag des Dialogs, der Anerkennung und Wertschätzung nicht nur die kameradschaftliche Verbundenheit der VeteranInnen untereinander und die Verbundenheit der VeteranInnen mit der Zivilgesellschaft stärken, sondern mit ihm die Bedeutung und Leistung der VeteranInnen für Freiheit und Demokratie erstmals deutschlandweit sichtbar gemacht werden soll; dass diejenigen, die für unsere Freiheit alles geben, unseren Respekt verdienen und dass es auch Julia Klöckner so sieht, ihres Zeichens Präsidentin des Deutschen Bundestages und Schirmfrau des Nationalen Veteranentages.

Der Nimbus einer besonderen Verbundenheit/Kameradschaft unter Militärs, mit dem hier Werbung gemacht wird, verdankt sich bekanntlich nicht nur dem gemeinsamen Bestehen irgendeiner Gefahr oder eines beliebigen Ausnahmezustands, sondern dem Krieg: Insbesondere hier würden – wider Egoismus und Konkurrenz, wie man sie aus Friedenszeiten bis zum Überdruss kennt – Altruismus und Solidarität unter den gemeinsam Kämpfenden und Sterbenden befördert. In der Werbekampagne scheint jedoch unterstellt zu werden, eine besondere Verbundenheit/Kameradschaft unter Militärs bestünde nicht nur quasi unabhängig vom Krieg, sondern es bedürfe dazu noch nicht einmal des gemeinsamen Bestehens einer Gefahr oder eines Ausnahmezustands. Und dies in einer Zeit, in der die Kreiswehrersatzämter zu „Karrierecenter der Bundeswehr“ mutiert sind und sich das militärische Personal überwiegend aus karrieristisch ausgerichteten neoliberalen Marktsubjekten zusammensetzt, die sich das SoldatInnensein zumindest eine Zeitlang zum Beruf gemacht haben. Zu meiner 15-monatigen Wehrdienstzeit 1978/79 war die Bundeswehr eine Wehrpflichtigenarmee: Die mit dem Maßband („Noch 37 Tage, noch 36 Tage, …“) gaben den Ton an, wer sich als Zeitsoldat über den Wehrdienst hinaus für zwei oder mehr Jahre verpflichtete, galt als Z-Sau und die Berufssoldaten als Z-Grabstein. Verbundenheit/Kameradschaft gab´s (bei der Bundeswehr) jedoch auch damals schon nicht mehr zu erfahren als in der Schule, beim Jobben auf dem Bau oder im Sportverein. Niemals mehr hab ich irgendwen aus meiner Bundeswehrzeit wiedergesehen und dies (vielleicht abgesehen von einem Fall) auch nie wirklich bedauert: aus den Augen, (fast) aus dem Sinn.

Dass es in modernen Kriegen vor allem um ökonomische und machtpolitische Interessen und zudem um – nennen wir´s – „irrationale Entladungen“ geht, kaum jedoch um Moral, die in der Regel nur vorgeschoben wird: Jede/r könnte es wissen. Dass sich die heutige weltpolitische Situation charakterisieren lässt durch den Zusammenbruch der globalen Defizitkonjunkturen, durch Tendenzen zum Protektionismus und zur Deglobalisierung, durch eine krisenbedingte Fragmentierung der Weltwirtschaft und durch Ersatz der US-Hegemonie durch fragile geopolitische Blöcke. Jede/r könnte es wissen.  Und dass statt der von der breiten MitbürgerInnenschaft akzeptierten, bisweilen sogar geschätzten Out-of-area-Einsätzen der Bundeswehr freundlich formuliert jetzt wieder Landes- und Bündnisverteidigung, realistisch gesehen aber Krieg führen können und wollen auf dem Programm steht: Jede/r könnte auch dies wissen.

In der Werbekampagne zum Veteranentag und so für die Bundeswehr wird jedoch nicht der zum Kriegführen notwendige und letztlich erwünschte „Krieger in Uniform“ mit seiner waffengattungsmäßigen „tribal culture“ (oder auch dessen weibliche Variante) besungen, sondern weiterhin das beliebte Bild vom Bundeswehrsoldaten als Weltpolizisten und bewaffnetem Wiederaufbau- und Entwicklungshelfer, Sozialarbeiter und Streitschlichter bedient. Statt martialischer KriegerInnen in dynamischen Posen werden mittels Foto auf dem Plakat schlichte StaatsbürgerInnen in Uniform (oder in Zivil) präsentiert, kompositionell Ruhe und Stabilität vermittelt und qua Buntheit der Gruppe vor weißem Drumrum der Eindruck von Vielfältigkeit erzeugt; dabei sind die Fotografierten einem „blutsdeutschen“ Ideal durchaus entsprechende Mitteleuropäer mit eindeutigem Geschlecht – bis auf die (geschlechtlich ebenfalls eindeutige) Dame in blauer Uniform, mit der als Tochter eines US-Soldaten, wie sich leicht eruieren lässt, wohl auf die trotz Trump unverbrüchliche „Transatlantik-Orientierung“ der Bundesregierung verwiesen wird. Und durch den sich unter SoldatInnen und Ex-SoldatInnen befindenden Geistlichen werden mögliche und auch bereits erfolgte militärische Einsätze nicht nur als vom demokratisch legitimierten Souverän erlaubt, sondern auch noch kirchenvertreterisch abgesegnet erscheinen gemacht.

In den Interviews mit den VeteranInnen schließlich werden die interviewten VertreterInnen militärischer Hierarchie egalitär (oder flach-hierarchisch?) geduzt und beim Vornamen genannt. Und was sie kundtun, ist dann vor allem, dass die Bundeswehr ein toller Arbeitgeber sei, der sich kümmert, bei dem sich (z.B. sportliche) Träume verwirklichen lassen und auch für die Gleichberechtigung der Frauen gesorgt ist; bei dem man Deutschland, seiner (neoliberalen?) Freiheit und Demokratie (die der Neoliberalismus ja inzwischen gar nicht mehr gebrauchen kann) dienen und der (neoliberalen?) Gesellschaft etwas zurückgeben, für ihre Sicherheit sorgen und auch (wider den Neoliberalismus?) sozial tätig sein könne; und bei dem man auch schwere Verwundungen bei einem Helfen erleidet, das moralisch geboten ist und deshalb außer Frage steht.

I stood somewhat irritated in front of such posters in early summer. I seriously wondered what the point was, what the message was supposed to be. My emotional response was one of rejection and concern about the future. But I thought that an analysis of this poster as an example of text-image communication was needed here. The poster uses written language and images to convey a message. This is a case for my friend Stefan, who immediately agreed to provide the following analysis:

The poster consists of four graphically distinct text sections and a photo dominating the poster of a group of 13 people, most of whom are in military uniform and – clearly – arranged for the photo and a vertically axis-symmetrical image composition. Almost exactly in the centre of the photo and thus of the poster, a guy covered in medals is sitting in a canoeing position, as can be easily researched. To his left and right are six people standing or sitting, two on each side (clearly) female, the others (clearly) male. (‘Jesus & twelve disciples’ is probably not the only thing that spontaneously comes to mind.) From the viewer’s perspective, to the right of the athlete are a man and a woman (clearly) dressed in civilian clothes, while another older man appears to be wearing a kind of overalls (which I cannot identify more precisely) that are discreetly decorated with badges and medals.

The remaining people are dressed in various Bundeswehr uniforms, with the left half of the face of one uniformed male appearing slightly disfigured. To the left of the athlete are two women and three men in Bundeswehr uniforms, and a small, grinning man with a bald head, glasses, beard and hands folded in front of his stomach is wearing what we might call religious (probably Protestant or rather Catholic) vestments. Particularly striking in the group on the left are a somewhat corpulent-looking woman of colour in (as far as I can identify) a blue air force uniform, who is delighting the viewer with a beaming smile; and a man crouching sideways on a metal-coloured box, staring at the viewer, who, by means of short (or pulled-up) trousers, presents the viewer with his left prosthetic leg in particular, but also his right leg, which appears to be completely intact, behind it.

As is hardly possible otherwise with a poster, text and image are presented simultaneously and in a special arrangement.

I would say that the photo serves as an eye-catcher for the time being: the photo is used to draw the recipient’s attention to the poster and arouse their curiosity.

As for the text placed in the centre above the photo, which can be understood as its headline:

The words ‘Once there, always connected!’ presented in large, bold letters can, it seems to me, initially be understood as a slogan, although it is not yet entirely clear which company or institution is being advertised here. And then it occurs to me that the claim here is not only that those who are/were once there are always connected, but also that the photo should first be seen as a representation of those who are/were there and are thus always connected.

The fact that it is the German Armed Forces that one must be or have been a part of in order to always be connected (and that it is also the German Armed Forces that is being advertised with a slogan) becomes clear to the recipient, on the one hand, through the uniforms worn by the majority of the people photographed and, on the other hand, through the second line of this text, which is written in smaller font and in normal print: ‘Shoulder to shoulder – Germany celebrates its veterans.’

And this second line seems to me to serve not only to convey the message that Germany celebrates its veterans – also in close or even particularly close solidarity. For by communicating this here, it seems to me to be assured: anyone who is or was once in the German Armed Forces is not only closely or even particularly closely connected to their colleagues and former colleagues, but also to Germany.

If the recipient wants to find out more about the poster, they can do so easily, in line with German reading habits: at the top left, they are informed that there is now a Veterans’ Day marked with a V logo, on which Germany celebrates not only its male veterans but also its female veterans in solidarity. At the top right, they can find out the date on which this Veterans’ Day, now called Veteran Women’s Day, is scheduled. And then, at the bottom right, comes the grand finale: the introduction to the fourth section of text seems to be provided by an unusually twisted and nationally coloured lavender ribbon depicted on the left-hand side, which is known as a symbol of cancer awareness and solidarity with those affected by cancer. This seems to suggest that (pseudo) education provided by the state in a military and national context and any solidarity that may exist in this context could be compared or even equated with cancer awareness and solidarity with those affected by cancer.

As for the actual text: By stating (rather than asserting) in the abbreviated, bold-printed sentences that make up the first line ‘Veterans Day. Simply respect.’ (and not, for example, asserted) that a Veterans Day takes place and that this must simply be respected, it is now suggested that the event in question is something completely uncontroversial, something that is virtually self-evident. And with the normal print ‘Find out more at: ‘Veteranentag.gov.de’ in the second and third lines, it seems to me that the authoritarian (and not egalitarian) addressee is being ordered (and not asked) to (kindly) find out more according to the information provided. Finally, in the text section offset to the right and in the smallest font used on the poster, but again in bold, it is made clear who is communicating with the recipient via the poster: ‘The Federal Government’.

If you do what you are asked to do as a recipient, you can find out, among other things, that a good year after the German Bundestag decided by a large majority to introduce a Veterans’ Day, the Federal Republic of Germany celebrated the first National Veterans’ Day on 15 June 2025. National Veterans’ Day; that the poster is part of an advertising campaign for this first National Veterans’ Day, which aims to inform a broad audience through formats in public spaces and via print, radio and online media; whereby, among other things, interviews with veterans will also be used to give the new National Veterans’ Day a face and encourage dialogue; that all German citizens who are currently serving or have ever served and then honourably left military service are considered veterans; and that there are currently around 10 million veterans; that the holiday, which is open to all German citizens, is intended not only to strengthen the camaraderie among veterans and their connection to civil society as a special day of dialogue, recognition and appreciation, but also to highlight the importance and achievements of veterans for freedom and democracy throughout Germany for the first time; that those who give everything for our freedom deserve our respect, and that Julia Klöckner, President of the German Bundestag and patron of National Veterans’ Day, shares this view.

The aura of special solidarity/camaraderie among military personnel, which is being promoted here, is known to be due not only to the shared experience of some kind of danger or state of emergency, but to war: Here in particular, altruism and solidarity among those who fight and die together would be promoted, contrary to the selfishness and competition that are all too familiar in peacetime. However, the advertising campaign seems to imply that a special bond/camaraderie among military personnel exists not only independently of war, but that it does not even require the shared experience of danger or a state of emergency. And this at a time when the district military recruitment offices have mutated into ‘career centres of the Bundeswehr’ and the military personnel is predominantly made up of career-oriented neoliberal market subjects who have made being a soldier their profession, at least for a while. During my 15 month military service in 1978/79, the Bundeswehr was a conscript army: those with the measure tape (‘37 days to go, 36 days to go, …’) set the tone: anyone who signed up as a temporary soldier for two or more years beyond their compulsory military service was considered a Z-Sau (Z-pig), and professional soldiers were considered Z-Grabstein (Z-gravestones). However, even back then, there was no more camaraderie to be found in the Bundeswehr than there was at school, working on a building site or in a sports club. I have never seen anyone from my time in the Bundeswehr again and (perhaps with one exception) have never really regretted it: out of sight, (almost) out of mind.

The fact that modern wars are primarily about economic and power-political interests and also about – let’s call it – ‘irrational outbursts’, but hardly about morality, which is usually only used as a pretext: Everyone could know that. That today’s global political situation can be characterised by the collapse of global deficit economies, by tendencies towards protectionism and deglobalisation, by a crisis-induced fragmentation of the world economy and by the replacement of US hegemony with fragile geopolitical blocs. Everyone could know that. And that instead of the out-of-area missions of the Bundeswehr, which are accepted and sometimes even appreciated by the general public, the agenda now includes, to put it mildly, national and alliance defence, but realistically speaking, the ability and willingness to wage war: everyone could know this too.

However, the advertising campaign for Veterans’ Day and thus for the Bundeswehr does not celebrate the ‘warrior in uniform’ with his or her ‘tribal culture’ specific to each branch of the armed forces, which is necessary and ultimately desirable for waging war (or its female counterpart), but continues to promote the popular image of Bundeswehr soldiers as global police officers and armed reconstruction and development aid workers, social workers and mediators. Instead of martial warriors in dynamic poses, the poster presents ordinary citizens in uniform (or in civilian clothes), conveying calm and stability in its composition and creating an impression of diversity through the colourfulness of the group against a white background; The people photographed are Central Europeans who clearly correspond to the ‘pure German’ ideal, with unambiguous gender – except for the lady in blue uniform (whose gender is also unambiguous), who, as the daughter of a US soldier, can easily be identified as a reference to the German government’s unbreakable ‘transatlantic orientation’ despite Trump. And the presence of clergy among the soldiers and ex-soldiers makes possible and already completed military missions appear not only to be permitted by the democratically legitimised sovereign, but also to be blessed by representatives of the church.

Finally, in the interviews with the veterans, the interviewed representatives of the military hierarchy are addressed informally (or flatly hierarchically?) and called by their first names. And what they proclaim above all is that the Bundeswehr is a great employer that cares, where dreams (e.g. sporting dreams) can be realised and where equality for women is ensured; where one can serve Germany, its (neoliberal?) freedom and democracy (which neoliberalism no longer needs), give something back to (neoliberal?) society, ensure its security and also be socially active (contrary to neoliberalism?); and where one also suffers serious injuries while helping others, which is morally imperative and therefore beyond question. 

Translated with th help of DeepL.com 

7 Comments

  1. Horst Hirning

    Hallo Rolf,
    deine grundsätzliche Einstellung zum Krieg kann ich nur unterstreichen. Allerdings haben wir in den letzten Jahrzehnten was die Verteidigungsfähigkeit betrifft geträumt. Das sollten wir dringend korrigieren. Darüber muss eine ernsthafte gesellschaftliche Diskussion geführt werden ohne jegliche Kriegstreiberei, denn das hätte unkalkulierbare Folgen.
    Viele Grüße Horst.

    • Rolf Noe

      Noch ein abschließender Text von Stefan, dem Autor des Beitrages:

      Wie sich bei Erich Fromm, aber auch z.B. bei H. P. Duerr bequem nachlesen lässt, tritt das, was man mit Recht als Krieg bezeichnen kann, menschheitsgeschichtlich erst mit Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftwerdung vor etwa 10 000 Jahren auf. Und dabei ist dann die mit dem Frühkapitalismus einsetzende Moderne – was Häufigkeit, Dauer und Ausmaß der Kriege betrifft – die am wenigsten friedliche Zeit überhaupt.

      Sicher macht – und speziell in der Geschichte der (kapitalistischen) Moderne – für die BürgerInnen eines Staates bisweilen ihr bloßes Interesse am Überleben ein kampfstarkes Militär erforderlich: So in der Sowjetunion nach dem deutschen Überfall 1941; oder – qua weltweit grassierender ultimativer kapitalistischer Krisenideologie des Antisemitismus – von 1948 bis heute in Israel.

      Was nun den russischerseits in der Ukraine gestarteten (und durch die Weigerung der USA, Neutralitätsgarantien für die Ukraine zuzustimmen, ziemlich klar provozierten) Krieg betrifft, so ist er – wider jede Putin-, aber auch wider jede Nato-Trollerei samt jeweils einschlägiger Propaganda betrachtet – ein stinknormaler Dreckskrieg, wie man ihn bis zum Erbrechen kennt, und hat mit dem Vernichtungskrieg, den die Wehrmacht ab 1941 in der Sowjetunion veranstaltete, nichts gemein. Putin, dem seine StaatsbürgerInnen noch heute die Stabilisierung der Russischen Föderation zu Beginn des 21. Jahrhunderts hoch anrechnen, gilt wohl zu Recht als Pinochet-Verehrer, er trauert der Sowjetunion als imperialem und nicht als staatssozialistischem Gebilde nach, er bekämpft linke Kräfte, betreibt insgesamt eine erzreaktionäre Machtpolitik und wenn´s ihm um Russland geht, dann bestimmt nicht um die kleinen russischen Selbstversorger und Subsistenzler, sondern um Russland als repressiven kapitalistischen Machtklotz, als „Imperium“. Aber ein Wiedergänger des GröFaZ ist er so wenig wie der korrupte ukrainische Oligarchen-Staat die vom einmalig bösen Russen in plötzlicher Geilheit vergewaltigte Unschuld vom Lande.

      Die Bundeswehr, soweit mir bekannt, wurde aufgebaut nicht nur als „Armee in der Demokratie“, sondern als „Armee für die Demokratie“. Und das heißt ja wohl: Das, was durch die Institution als Ganze und dann vom einzelnen Soldaten „mit der Waffe in der Hand“ verteidigt werden soll, das ist, ganz klar, die Demokratie – zuerst und zuletzt. Und bedroht wird diese Demokratie heute in erster Linie durch einen Neoliberalismus, der Demokratie längst nicht mehr gebrauchen kann und zu dem „Macher“ wie Menschenmaterial Ja schreien, denn nur qua Neoliberalismus scheint der Kapitalismus, von dem man ums Verrecken nicht lassen will, noch zu funktionieren; durch einen Neoliberalismus, dem durch die Bank sämtliche irgendwie relevanten Parteien huldigen, der die eh schon durch und durch verlogene bürgerliche Fortschrittsgeschichte in eine kapitalistische „Erfolgsreligion“ verwandelt hat und nur noch „Gewinner“ und „Verlierer“ erzeugt, die immer nur sich selbst und nie das System als Ursache ansehen sollen; durch einen Neoliberalismus, der zur unveränderbar anmutenden Wirklichkeit geronnen erscheint, dem der selbstbestimmte Mensch zum Feindbild geraten ist, der das „trotzige Kind“ an dessen Stelle setzt, der sich vor allem durch Erregung der Gier und Hysterisierung der Angst in Bewegung hält und den die Rechten dann ins nicht mehr zu überbietende Extrem zu treiben gedenken.

      Last not least: Das Analytische an meiner Analyse besteht im Wesentlichen darin, Sätze und Bilder, was deren Sinn und deren Bedeutung betrifft, durch sprachliche und bildliche Handlungen zu erklären, die mit (schriftsprachlicher) Äußerung dieser Sätze und Zeigen der Bilder naheliegenderweise vollzogen wurden oder überhaupt vollzogen werden können. Und so, indem Sinn und Bedeutung als gebunden an menschliches Handeln aufgezeigt werden, nicht zuletzt einen, wie ich meine, wichtigen Beitrag zur (menschlichen) Emanzipation zu leisten; schließlich ist „alle Emanzipation“ nach Marx ja „die Zurückführung der menschlichen Welt, der Verhältnisse, auf den Menschen selbst“.

  2. DereL

    Zu der Plakatbesprechung, der es leider an einer ernstzunehmenden sprachlichen Sachlichkeit angesichts des Themas mangelt, ist in dem genannten Zusammenhang festzuhalten, dass der Homo sapiens sich tatsächlich Fähigkeiten zum komplexen und abstrakten Denken angeeignet hat, wodurch er zu großen Fortschritten u. a. in Bildung, Technik, Kultur und auch Kooperation sowie Konfliktlösungen fähig ist. Darum ja auch die Bezeichnung „verstehender, verständiger Mensch“. Soweit die Zustimmung. Dabei tritt aber leider in den Hintergrund, dass viele grundlegende archaische destruktive Verhaltensweisen immer noch evolutionär so tief in uns Menschen verankert sind, dass sie oftmals über unsere intellektuellen Fähigkeiten dominieren. Ja, auch archaische defensive Selbstverteidigungsinstinkte sind nicht, wie von einigen erhofft und gefordert, überwunden. Die wurden damals sogar in der „Gewissensprüfung“ jedem Kriegsdienstverweigerer zugestanden. Denn die Welt ist halt so, dass man auf sie (noch) nicht verzichten kann.
    Erich Fromm z. B. unterscheidet schon in seinem Buch „Anatomie der menschlichen Destruktivität“ deshalb ausführlich zwischen der (legitimen) defensiven Aggression, die der Erhaltung des Lebens dient, und einer (illegitimen) offensiven Destruktivität, die spezifisch menschlich ist. Totalitäre Staaten wissen darum, denn jeder ihrer Angriffskriege wird so regelmäßig als defensive „Aktion“ oder „Operation“ zur Verteidigung legitimiert. Plakate und fotografische Dokumentationen gibt es dazu genug. Wie sich die in uns angelegte archaische Destruktivität auf Dauer verändern oder beeinflussen lässt, weiß Fromm auch nicht. Da müssen wir wohl auf die Evolution hoffen und warten. UNO, Internationaler Gerichtshof, internationale Kooperationen und Verträge sind z. B. gute Ansätze und Einrichtungen der verstehenden, verständigen Seite der Menschen, die aber nun zunehmend ausgehebelt werden.
    Mir erscheinen im Umgang mit dieser Destruktivität u.a. verlässliche Freundschaften, die gibt es aber nur selten, Kooperationen, Abstand zu aggressiven Menschen, Systemen und Situationen, Grenzen setzen, sich nicht erpressbar machen, zu Kompromissen und zur Versöhnung bereit sein und dann, wenn es absolut nicht anders geht, überzeugend deutlich machen, dass man bei seiner Verteidigung zu allem entschlossen ist, die geeigneten Mittel zu sein. Will und muss man zu seiner Verteidigung zu allem entschlossen sein, muss man sich auch die Fähigkeiten dazu angeeignet haben. Alles andere ist in meinen Augen auch für Staaten Illusion, naiv oder unter Umständen sogar gefährlich. Zu oft wurde auch in der jüngeren Geschichte der Ruf nach „Frieden“ vom Totalitarismus als ideologische Vernebelungsstrategie genutzt, der man gutgläubig auf den Leim gegangen ist, indem sich benachbarte Staaten weitgehend verteidigungsunfähig gemacht haben. Das musste selbst ein so überzeugter Pazifist wie Albert Einstein nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges eingestehen und das merken wir in Europa auch so langsam schmerzhaft.
    Der Verzicht auf oder der Mangel an Wehr- und Verteidigungsbereitschaft oder -fähigkeit haben historisch gesehen per se keinen Krieg verhindert. Kann man sich u. a. in der Fotoausstellung „The Underground Camera“ im FOAM in Amsterdam anschauen.
    Es stellt sich also leider ganz rational nicht die Frage nach dem Ob, sondern nach dem rechten Maß der Entschlossenheit und der Mittel zur defensiven Wehr- und Verteidigungsbereitschaft im Zusammenhang mit dem anderen genannten Verhaltensstrategien, solange es im Homo sapiens noch die grundlegenden archaischen destruktiven Verhaltensweisen gibt.

    • Rolf Noe

      Ich hänge Stefans Kommentar mal hier an weil es hier womöglich am besten passt:

      Hält man sich an Erich Fromms „Aggressionstheorie“ (GA, Bd. VII), dann ergibt sich – für unsere Zwecke – folgendes Bild: Fromm unterscheidet zwischen „gutartiger“ und „bösartiger“ Aggression. Bösartige Aggression (Grausamkeit, Destruktivität) gibt es nur beim Menschen. Fromm zählt die bösartige Aggression zu den „lebensfeindlichen“ (irrationalen) Leidenschaften. Wie die „lebensfördernden“ (rationalen) Leidenschaften sind auch die lebensfeindlichen als Antworten zu verstehen auf die für den Menschen (als sprechendes Lebewesen, wie ich aus sprachanalytischer Perspektive ergänzen möchte) entscheidenden „existentiellen Bedürfnisse“: Bedürfnis nach (qualitativer) Identität/Selbstbestimmung; Bedürfnis nach Selbst- und Weltbezogenheit; (Lebens-)Sinn-Bedürfnis; Orientierungsbedürfnis; Bedürfnisse nach „Objekten der Hingabe“ und nach einem „Gefühl der Wirkmächtigkeit“. Die lebensfeindlichen Leidenschaften entwickeln sich, wenn realistische Voraussetzungen für die Verwirklichung lebensfördernder Leidenschaften fehlen.

      Kriege rechnet Fromm dann primär gutartiger Aggression und zwar „instrumenteller Aggression“ zu. Im Unterschied zur ebenfalls gutartigen „defensiven Aggression“ (Selbstverteidigung) hat instrumentelle Aggression beim Menschen jedoch keine „phylogenetisch programmierte neuronale Basis“: diese haben unter den Säugetieren nur Raubtiere, die Aggression motiviert sie, die Beute anzugreifen, die Aggression ist Mittel zum Nahrungserwerb. Wie Fromm detailliert aufzeigt, ist der Mensch – trotz „Allesfresserei“ und der ihm z.B. von Wildwestromanheft-Autoren oder auch neoliberalen Rechten gern unterstellten „wölfischen Natur“ – kein „Raubtier“. Das menschliche Jagdverhalten gründet sich auf Lernen und Erfahrung und ist nicht phylogenetisch programmiert.

      Fromms Unterscheidung der defensiven von der instrumentellen Aggression ermöglicht es, die Selbstverteidigung (mit und ohne Waffen) letztlich dem „tierischen Erbe“ und damit der „ersten Natur“ zuzurechnen; stellt man sich jedoch – als Soldat – der instrumentellen Aggression zur Verfügung, bleibt man ganz und gar auf seine „zweite Natur“ als sprechendes Lebewesen, als handelnder Mensch, als Person verwiesen. Und darüber hinaus schließt eine im sozialen Status quo notwendig gewordene Selbstverteidigung eine davor und danach stattfindende Bemühung um emanzipatorische Veränderung dieses Status quo nicht nur nicht aus, sondern müsste ihr sogar förderlich sein. Dagegen Kriege, wie wir sie kennen: Normalerweise dienen sie – so plump und dumm wie wider jede emanzipatorische Veränderung – dem Erhalt, der Förderung und dem Ausbau des Status quo.

      Veteranen? Veteranen – im soldatischen Sinn – sind auch für mich Kriegsteilnehmer. Und was den im weitesten Sinn familiären Zusammenhang betrifft, da habe ich meine Kindheit vor allem unter tonangebenden wehrmachtlichen Veteranen verbracht. (Ein Opa, Jahrgang Ernst Jünger, war vor seiner Wehrmachtszeit sogar noch volle vier Jahre im Ersten Weltkrieg aktiv.) Egal ob Familienfest, Urlaub oder Kneipenbesuch – der Krieg war Thema, spätestens nach fünf Minuten, und ich – so fasziniert wie dann von Albträumen geplagt – mittendrin. Als Jugendlicher habe ich dann gelernt, dass die schiere Kriegsteilnahme kein Argument ist gegen kritisches Denken und einen entsprechenden Umgang mit dem, was mir irgendwer auftischen will. Und heute, wenn ich Leben und Sterben der mir persönlich bekannten Wehrmachtsveteranen Revue passieren lasse, dann steht für mich fest: Wenn durchs Kriegserleben kein kritisches Denken aktiviert wird und der Mensch – weiterhin bereit, sich von irgendwem oder irgendwas verarschen zu lassen – nicht damit beginnt, sich um (menschliche) Emanzipation zu bemühen, dann war es – sein Kriegserleben – komplett umsonst.

      Ach ja, und was meine kommunikative Plakat-Analyse betrifft: Sie ist mit dem Grad an (sprachlicher) Sachlichkeit verfasst, den ich bei Qualität des Plakats und dahinter stehender Werbekampagne zu leisten gerade noch imstande war.

      • DereL

        Da kann ich Dir weitgehend zustimmen, auch bei den persönlichen Erfahrungen mit den erzählten Kriegserlebnissen. Die reichten von Leuten, die an den brutalsten Kämpfen teilgenommen hatten, wie man erst viel später erfahren hat, und diese auf abenteuerliche „Pfadfindergeschichten“ reduzierten, bis zu den Traumatisierten, die keine Silbe über die Lippen bekamen und deren oft sonderbares Verhalten ebenfalls erst viel später erklärbar wurde. Deshalb fand ich es auch gut, dass es die individuelle Entscheidungsmöglichkeit gab, sich auf der Grundlage von persönlichen Erfahrungen und Überzeugungen für den Zivildienst zu entscheiden.
        Es bleibt dann aber immer noch die Frage, wie z.B. die Ukraine sich nach dem Angriff auf ihr Land hätte vorbereiten und verhalten sollen. Gehen wir in die Geschichte zurück, um eine größere Distanz zu haben, kann man fragen, wie sich überfallenen Länder im Zweiten Weltkrieg hätten vorbereiten und verhalten sollen.
        Was Deine „kommunikative Plakat-Analyse“ betrifft, ist sie zwar sprachlich pointiert, es handelt sich aber weniger um eine Analyse, sondern hat eher was von einer Satire oder Glosse, die zum Nachdenken soll. Das hat sie erreicht.

  3. thomasbregulla

    Wow, das ist der kontroverseste Beitrag von Dir, den ich bisher gesehen habe. Da schwingt viel Deiner Meinung mit. Wenig davon sehe ich im Foto.
    Allerdings “Krieger in Uniform”? Ich kenne die Bezeichnung “Bürger in Uniform” .. ich war auch wehrpflichtig, allerdings ein paar Jahre nach Dir. Meine Erfahrungen sind völlig verschieden und auch was die Gründe angeht, warum eine gesunde Bundeswehr wichtig ist. Was den Veteranentag angeht, finde ich es zuviel, dass auch wir beide Veteranen sein sollen. Im Vergleich zu Leuten, die zB in Afghanistan oder im Kosovo Dienst geleistet haben, sehe ich mich nicht als Veteran. Das hätte etwas von “stolen Valor” für mich.
    Vor dem Hintergrund der Bedrohung durch Russland, die stärker und realer ist als im kalten Krieg, macht es meiner Ansicht nach Sinn, seine Einstellung zur Bundeswehr zu überdenken.
    Respekt für die Veteranen, die wirklich Krieg erfahren haben? Ja, definitiv! Ich kenne Leute, die im Kosovo bei den Friedenstruppen waren und ein Neffe von mir war in Afghanistan. Das macht etwas mit den Menschen.
    Wenn ich Deinen Beitrag lese, habe ich auch nicht den Eindruck, dass Du Dich in den letzten Jahren mit dem Thema Bundeswehr auseinandergesetzt hast, was Diversität angeht. Es gibt bei Youtube einige Dokumentationen, die man sich ansehen kann – wenn man sich kritisch befassen möchte. Die Abschaffung der Wehrpflicht hat imho viel zur Professionalisierung und Diversifizierung der Bundeswehr beigetragen.

    • Rolf Noe

      Hallo Thomas, danke für den kritischen Beitrag. Ein Stückweit ist das auch so gedacht, dass eine Beschäftigung mit dem Thema angestoßen werden soll.
      Erlaube mir zwei Bemerkungen. Ich selbst war nie bei der Bundeswehr und würde mir deswegen auch darüber kein Urteil erlauben. Ich habe den Dienst mit der Waffe verweigert und meinen Beitrag zum Gemeinwohl in der Psychiatrie geleitet. Deswegen habe ich auch meinen Freund Stefan gebeten mir diese Text-Bildanalyse zu schreiben, und da kann es nicht ausbleiben, dass eben auch seine Erfahrungen und seine Meinungen geäußert werden. Mein persönliche Unbehagen bezieht sich darauf, dass hier mit modernen Mitteln an archaische Selbstverteidigungsinstinkte appelliert wird, die wir eigentlich alle gehofft hatten überwunden zu haben. Und jetzt lassen wir uns plötzlich wieder in die Schützengräben jagen.
      Historisch gesehen hat Aufrüstung und Wehrbereitschaft bisher immer noch zum Krieg geführt und das ist eine Perspektive, die nur dazu führt, noch mehr Leid in die Welt zu bringen. Ich frage mich langsam, wofür. Für eine Freiheit, die inzwischen im Wesentlichen darin besteht kaufen zu können was man will? Ich kann leider auch keine Lösung anbieten, aber es würde sich lohnen darüber nachzudenken.

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