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Photo-Generationen / Photogenerations

Wie tradiert man Photographie? Indem man sie seinen Kindern nahebringt. Aktuell habe ich mich mit dem Thema beschäftigt, als ich versucht habe für meinen Enkel eine passende Kinderkamera zu finden. Die Holzkamera, die er mit zweieinhalb zu Weihnachten bekommen hatte, hat angesichts des Smartphones der Mama deutlich an Attraktivität verloren. Was mich dabei fast zur Verzweiflung gebracht hat, war, dass es fast nicht möglich war eine Kamera zu finden, die nur Bilder macht und nicht auch noch Spiele und sonstigen Kram in ihrem Funktionsumfang mit ins Kinderzimmer einzuschmuggeln versucht.

Das Display auf der Rückseite ist eine Erleichterung, da es Kleinkindern schwerfällt, mit einem Auge durch einen Sucher zu schauen. Es gab die Kamera zum vierten Geburtstag und die Begeisterung war groß. Groß wird sicher auch der Ausschuss sein. Den sinnvoll zu entsorgen, wird eine Aufgabe der Eltern sein. Ich habe vorgeschlagen nach einer ersten Runde des Aussortierens von Schrott mit dem Kind zusammen zu entscheiden, welche Bilder es behalten möchte. Dass die Vorstellung davon, welcher Natur diese auf Speichermedien verwahrten Bilder sind, noch nicht wirklich realistisch sind, zeigte sich, als meine Tochter Bilder von ihrem Smartphone im Drogeriemarkt ausgedruckt hat. Da bekam mein Enkel Angst, sie könnten durch das Ausdrucken von dem Smartphone verschwinden. Er hat sich aber beruhigt als er sah, dass sie danach immer noch da waren. Kinder sind eben bis zum Schulalter noch weitgehend in einer magischen Welt unterwegs, in der vieles möglich scheint, was für die Eltern ganz klar, ins Reich der Phantasie gehört.

Schön war zu beobachten, wie die Benutzung der Kamera fast völlig regelfrei erfolgte. Alles wurde ausprobiert. Ich habe dann erklärt, dass man nicht beliebig nahe an das zu fotografierende Objekt ran gehen darf. Der Vater hat ihm erklärt, dass er, wenn er alle Personen `drauf´ haben will, ein paar Schritte zurücktreten muss und so weiter. Kinder lernen schnell. Leider kann ich aufgrund der räumlichen Distanz nicht mitverfolgen, was für überraschende positive Ergebnisse dieses `Knipsen ohne Scheuklappen´ hervorbringen wird. So muss ich auf diese Inspiration verzichten.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mein Vater mich zum Photographieren animiert hat. Da er aber fast sein ganzes Leben lang mit photographieren beschäftigt war, hat schon das Vorbild gereicht. Und irgendwoher muss ja auch die Kamera aufgetaucht sein, auf der ich in meiner Gymnasialzeit gelegentlich gespielt habe.

Meine Töchter haben den Ball auch aufgenommen und waren ab Mitte der Nuller-Jahre auf `Flickr´ vertreten. Eine (von der ich das Bloggen gelernt habe) ist immer noch auf Instagram aktiv.

Mein Sohn hat eine meiner Spiegellosen geerbt, als er den Wunsch geäußert hat, Zeitrafferaufnahmen von wachsenden Pflanzen zu machen. Aber es wird sich noch zeigen müssen, ob das Fotografieren auch für ihn zu etwas wird, was man als einen echten Lebensinhalt bezeichnen kann oder ob es Episode bleibt, was auch okay ist.

Was sich nicht aufhalten lassen wird, ist der immer weiter sich beschleunigende Technologiewandel und damit die Verschiebung dessen, was man photographieren genannt hat, in neue Bereiche des Bildermachens, auf neue Apparate (im Flusserschen Sinne) der Bilderzeugung. Schon jetzt sind kompakte Kameras, die in den Nullerjahren der Hit waren, fast völlig vom Markt verschwunden. Als Nächstes werden die günstigen Spiegelreflexkameras verschwinden und nach und nach wahrscheinlich alle Kameras in Nischen landen, wo sie von Liebhabergruppen gepflegt werden.

Ich selbst habe noch analog fotografieren lernen dürfen und somit einen ganz anderen Start in die digitale Photographie gehabt. Meine Kinder sind mit digitalen Kameras eingestiegen und mein Enkel hat jetzt  zwar eine Spielkamera bekommen, wird aber in einer Welt von Smartphones und Bildgenerierung groß werden. Und wer weiß schon, was da noch alles dazu kommt.

How do you pass on photography? By teaching it to your children. I was currently dealing with this topic when I was trying to find a suitable children’s camera for my grandson. The wooden camera he got for Christmas when he was two and a half has lost much of its appeal in view of his mother’s smartphone. What almost drove me to despair was that it was almost impossible to find a camera that only takes pictures and doesn’t also try to smuggle games and other stuff into the nursery with its range of functions.

The display on the back is a relief, as it’s hard for toddlers to look through a viewfinder with one eye. He got the camera for his fourth birthday and the enthusiasm was great. The rejects will certainly be large as well. Disposing of it sensibly will be a task for the parents. I suggested that after a first round of sorting out the junk, the child and the parents should decide which pictures he  wants to keep. That his idea of what nature these pictures stored on storage media are, is not yet really realistic. that became obvious when my daughter printed out pictures from her smartphone in the drugstore. There my grandson got fear they could disappear by printing from the smartphone. But he calmed down when he saw that they were still there afterwards. Until they reach school age, children are still largely immersed in a magical world in which many things seem possible that are clearly located in the world of imagination to their parents.

It was nice to observe how the use of the camera was almost completely free of rules. Everything was tried out. I then explained that one must not get arbitrarily close to the object to be photographed. The father explained that if he wanted to have all the people ‘in the shot’, he had to take a few steps back and so on. Children learn quickly. Unfortunately, due to the physical distance, I cannot follow what surprising positive results this `snapping without rules’ will produce. So I have to do without this inspiration.

I do not remember that my father encouraged me to take photographs. But since he was busy with photography almost all his life, the example was enough. And from somewhere must have appeared the camera on which I played occasionally in my grammar school time.

My daughters also picked up the ball and were on `Flickr’ from the mid noughties onwards. One (from whom I learned blogging) is still active on Instagram.

My son inherited one of my mirrorless cameras when he expressed a desire to take time-lapse photos of growing plants. But it remains to be seen if photography will become something that can be called a real purpose in life for him as well, or if it will remain an episode, which is okay too.

What can’t be stopped is the ever accelerating technological change and with it the shift of what used to be called photography into new areas of image making, to new devices (in Flusser’s sense) of image creation. Already, compact cameras, which were all the rage in the noughties, have almost completely disappeared from the market. Next to disappear will be the inexpensive SLRs, and gradually all cameras will probably end up in niches, where they will be cherished by groups of enthusiasts.

I myself learned analogue photography and so had a completely different start into digital photography. My children got started with digital cameras and my grandson now has a toy camera, but will grow up in a world of smartphones and image generation. And who knows what else will come along.

8 Comments

  1. Andreas

    Die Geschichte mit dem Drucken und Verschwinden finde ich total süß! Die Logik in diesen kleinen Köpfen ist einfach genial.

  2. juergenkuester

    Schade, dass auf meine Frage keine Antwort gegeben wurde: ist es unsere Aufgabe die Fotografie zu tradieren? Den Rest mit der Bedeutung der Sprache usw. unterschreibe ich gerne. Liebe Grüße!

    • Rolf Noe

      Ich kann darauf nur eine sehr persönliche Antwort geben. Ich hab die Photographie an meine Kinder und Enkel weitergeben wollen, ungefähr wie ein Bauer der hofft dass sein Sohn auch Bauer wird. Aber jede Generation wird ihre eigenen Ausdrucksformen und Medien erfinden und ob diese so wie McLuhan meinte immer auch die vorangegangenen Medien enthalten kann man nicht sagen. Manchmal entsteht ja auch ganz was Neues.Wir erleben es ja gerade an den mit KI generierten Bildern. Natürlich bauen diese auf allem auf, was es bisher an Bildmedien gab. Und gleichzeitig ist es auch was ganz Neues.

  3. juergenkuester

    Ist es unsere Aufgabe, Fotografie zu tradieren? Oder ist es nicht unsere Aufgabe, den Kindern oder Enkelkindern ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie ihre kleine Welt erfassen und verstehen können? Liebe Grüße!

    • Rolf Noe

      Wenn die Frage gewesen wäre, was ich meinen Kindern und Enkeln Indie Hand geben würde, um die Welt besser zu verstehen, dann wäre Photographie so ungefähr das letzte gewesen, was mir eingefallen wäre. Mit Bildern kann man viel machen, aber um die Welt zu verstehen braucht man Sprache. Es hilft ungemein wenn auch noch Empathie und Einfühlungsvermögen dazu kommen aber diese alleine sind allenfalls Motivatoren und Blicklenker. Wir können die Welt, bzw das was wir dafür halten empfinden aber erklären können wir ohne Sprache gar nichts ( hier muss ich meinem Freund Steffen leider Recht geben.

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