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LAIF shows Live

Nachdem ich extra einen Abstecher nach Köln gemacht habe, um mir im Museum für angewandte Künste  die Ausstellung 40 Jahre LAIF anzuschauen, war ich doch erstmal etwas frustriert, als ich gleich am Eingang der Ausstellung das Schild „Fotografieren verboten“ entdecken musste. Erst ein langsam einsetzender Reflexionsprozess konnte mich so weit aus diesem Gefühl befreien, dass ich mir die Ausstellung mit Genuss und Gewinn anschauen konnte. Zugleich machte ich mir dabei klar, wie wenig Einblick ich in die Welt von Bildagenturen habe. Klar wurde mir, dass diese ja nicht nur aktuelle Bilder verkaufen, sondern auch aus ihrem Archiv Bilder für Veröffentlichung an historischen Rückblicke anbieten. Somit wird es auch verständlich, dass sie ihr Bildmaterial nicht unkontrolliert vervielfältigt sehen wollen. Die Bildagentur LAIF ist insofern eine besondere Agentur als dass Sie in ihrem Selbstverständnis den Anspruch formulieren, mit ihren Geschichten Interesse zu wecken, Bestehenden zu hinterfragen und neue Perspektiven aufzuzeigen. Außerdem will man Stellung beziehen. Und das ist nicht nur so daher gesagt.

Die Ausstellung zeigt 40 Bildstrecken, die mit Recht als Positionen bezeichnet werden, da jede dieser Serien deutlich den Stil und die Ausrichtung des Photographierenden zum Ausdruck bringt. Daran wird deutlich, dass das Material nicht für die Tagespresse, sondern für Artikel in Zeitschriften und Magazinen erstellt wurde und wird. Die Themen sind fast ausnahmslos politisch und spiegeln das wider, was in den letzten 40 Jahren die Öffentlichkeit bewegt hat. Ganz im Vordergrund die Protestbewegungen in Deutschland, von der Startbahn West (1982) über Wackersdorf (1986) bis zum Hambacher Forst (2019). Die großen politischen Ereignisse wie Nicaragua (1985), Ruanda (1994), der Mauerfall (1989), Beslan (2005), Asyl in Hamburg (2013) und so weiter. Aber auch Kultur wie die Reichstagsverhüllung (1995), die CeBIT in Hannover (1998), Rapmusiker in Dakkar (2001) oder britische Abteien (2002) finden einen Platz in dieser Ausstellung. Umweltthemen wie die Verschmutzung der Ostsee (1991), die wachsende Wüste Gobi (2006), Monokulturen in der Nahrungsmittelproduktion (2012) bis zur Flut im Aartal (2021) nehmen auch einen bedeutenden Platz in der Ausstellung ein. Einzigartig die Serie mit “schrägen” Ansichten von Angela Merkel (2018) die Andreas Herzau beiträgt, die beeindruckenden Großstadtaufnahmen „Neon Tigers“ von Peter Bialobrzeski oder die Serie “Das Lieben der Anderen” von Sandra Hoyn (2015) über ein Bordell in Bangladesch, die wir schon beim Schömberger Fotoherbst 2017 zu Gesicht bekommen haben und die dort einen Hauptpreis gewonnen hat.

Damit sind noch nicht alle Themen benannt, aber es wird schon deutlich, dass anhand der Strecken so eine Art alternativer Geschichtsunterricht über die nahe Vergangenheit Deutschlands oder das, worüber Deutsche sich in den letzten 40 Jahren so informiert haben, stattfindet. Wer nicht dazu kommt, sich die Ausstellung `Live´ anzuschauen, hat immerhin die Möglichkeit sich die fast zwei Kilo wiegende Publikation „40 Jahre LAIF“ im Zeitungsformat zuzulegen und den Geschichts-Refresher daheim auf dem Sofa zu absolvieren.

Wenn ich es richtig verstanden habe (PHOTONEWS Mai22) laufen zurzeit Bemühung, die Bildagentur in genossenschaftlicher Weise zu organisieren, um zu verhindern, dass sie von international agierenden Bilder-Händlern geschluckt und entsprechend stromlinienförmig deformiert wird. Wir wünschen viel Erfolg dabei.

After making a special trip to Cologne to see the exhibition 40 Years of LAIF at the Museum of Applied Arts, I was a little frustrated when I saw the sign “Photography prohibited” right at the entrance to the exhibition. It was only after a slow process of reflection that I was able to free myself from this feeling to such an extent that I was able to look at the exhibition with pleasure and profit. At the same time, I realised how little insight I have into the world of picture agencies. It became clear to me that they not only sell current images, but also offer images from their archives for publication in historical retrospectives. So it is also understandable that they do not want to see their image material reproduced uncontrollably. The photo agency LAIF  is a special agency in so far as they formulate in their self-image the claim to arouse interest with their stories, to question the status quo and to show new perspectives. They also want to take a stand. And that is not just something they say.

The exhibition shows 40 photo series that can rightly be called positions, since each of them clearly expresses the style and orientation of the photographer. This makes it clear that the material was and is not created for the daily press, but for articles in journals and magazines. The subjects are almost without exception political and reflect what has moved the public in the last 40 years. Right at the forefront are the protest movements in Germany, from Runway West (1982) to Wackersdorf (1986) to Hambacher Forst (2019). The major political events such as Nicaragua (1985), Rwanda (1994), the fall of the Berlin Wall (1989), Beslan (2005), asylum in Hamburg (2013) and so on. But there is also a place for culture in this exhibition, such as the wrapping of the Reichstag (1995), CeBIT in Hanover (1998), rap musicians in Dakkar (2001) or British abbeys (2002). Environmental themes such as the pollution of the Baltic Sea (1991), the growing Gobi Desert (2006), monocultures in food production (2012) to the flood in the Aartal (2021) also occupy a significant place in the exhibition. Unique are the series with “weird” views of Angela Merkel (2018) contributed by Andreas Herzau, the impressive city shots “Neon Tigers” by Peter Bialobrzeski or the series “Loving the Others” by Sandra Hoyn (2015) about a brothel in Bangladesh, which we already got to see at the Schömberger Fotoherbst 2017 and which won a main prize there.

This is not the end of the story, but it is already clear that the routes provide a kind of alternative history lesson about Germany’s near past or what Germans have been learning about over the last 40 years. Those who don’t get to see the exhibition ‘live’ at least have the opportunity to get the almost two-kilo publication “40 Years of LAIF” in newspaper format and complete the history refresher at home on the sofa.

If I have understood correctly (PHOTONEWS May 2022), efforts are currently underway to organise the picture agency in a cooperative manner to prevent it from being swallowed up by internationally operating picture dealers and deformed in a correspondingly streamlined manner. We wish them every success in this endeavour.

Translated with the help of www.DeepL.com/Translator

2 Comments

  1. Rainer Perrey

    seeehr interessante Gedankengänge nach intensiven Beobachtungen und Betrachtungen – die du hier darlegst, Harald.
    Mein Respekt !
    Ich war noch nicht in der Ausstellung – bislang.

    • Harald S.

      Hallo Rainer, ich stimme Dir voll und ganz zu, doch den Artikel hat der Rolf geschrieben. Ich selbst habe die Ausstellung letzte Woche gesehen. Leider im Rahmen eines Familienausflugs und daher mit zu wenig Aufmerksamkeit. Mir fiel allerdings auf, dass das auch eine Zeitreise in mein eigenes Leben war. und wie sehr Pressefotos mein Geschichtsbewusstsein prägen.

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