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Über das Verschwinden / On Disappearance

Das Transpolitische ist der Modus, in dem alles verschwindet (nicht mehr die Produktionsweise ist interessant, sondern die Art und Weise des Verschwindens), es ist jener unheilvolle Wendepunkt, an dem der Horizont des Sinns endet.

aus “Die fatalen Strategien” Jean Baudrillard 1985

The transpolitical is the mode in which everything disappears (it is no longer the mode of production that is interesting, but the mode of disappearance), it is that ominous turning point where the horizon of meaning ends.

from “The Fatal Strategies” by Jean Baudrillard, 1985

In Bernd Steglitz Buch “Bilder der Fotografie”  bin ich in den Kapiteln über die `Spur´ und das `Simulakrum´ auf den Begriff des Verschwindens im Zusammenhang mit Jean Baudrillard’s Äußerungen über die Photographie gestoßen.

Ein Begriff, der sich nicht sofort erschließt. Es wird in diesem Zusammenhang auf den Text „Das perfekte Verbrechen“ von Jean Baudrillard referiert. Ich erinnerte mich, dass ich das kiloschwere Buch “Theorie der Fotografie” von Wolfgang Kemp und Hubertus von Amelunxen besitze und siehe da, im vierten Teil befindet sich eine überarbeitete Version des genannten Textes. Da ich den Text ehrlich gesagt kaum ansatzweise verstehe, habe ich beschlossen über Zitate zu meditieren. Ich habe während meiner Studienzeit die Poststrukturalisten verschlungen wie  `lecker Speiseeis´, aber so erhebend die Lektüreerfahrungen waren, so kümmerlich waren die Verständnisreste, die danach in meinem Hirn sich festsetzen konnten. Möglicherweise wurde hier auch gar nie mit dem Ziel geschrieben, die Welt verständlicher zu machen, sondern eher mit dem Ziel, das scheinbare Verständnis, dass man sich so zusammengebastelt hatte, genüsslich zu zerlegen. Hier gleich das erste Zitat:

“Es geht nicht um das Produzieren (eines Textes, eines Bildes). Alles liegt in der Kunst des Verschwindens”

Dies könnte man so lesen, dass jedes Bild, indem es etwas bewahrt, gleichzeitig alles verschwinden lässt was drumrum so los war. Dem reißenden Strom der Zeit und des Vergessens wird ein Fragment entrissen.

“Allerdings muss dieses Verschwinden auch Spuren hinterlassen, muss es der Ort des Erscheinens des Anderen, der Welt, des Gegenstandes sein”

Das Verschwinden des `Restes der Welt´ bewahrt in der Spur eines `Objekts´ einen Teil der Welt auf und diese Spur, die zurückbleibt macht es Verschwinden des Restes schmerzlich bewusst.

“Jeder fotografierte Gegenstand ist nur die Spur, die das Verschwinden alles übrigen hinterlassen hat. Es ist ein nahezu perfektes Verbrechen… “

Dies scheint trivial, zeigt aber ganz gut, dass wir mit dem Akt des photographierens immer etwas herausgreifen und aus den Zusammenhängen lösen (befreien?).

In Bernd Steglitz’s book “Images of Photography“, in the chapters on the trace and the simulacrum, I came across the concept of disappearance in connection with Jean Baudrillard’s remarks on photography.

A concept that is not immediately obvious. In this context, reference is made to the text “The Perfect Crime” by Jean Baudrillard. I remembered that I own the book “Theory of Photography” by Wolfgang Kemp and Hubertus von Amelunxen, which weighs several kilos, and lo and behold, in the fourth part there is a revised version of the aforementioned text. Since I honestly only came to understand the text to some extent, I decided to meditate on quotations. During my studies, I devoured the post-structuralists like delicious ice cream, but as uplifting as the reading experience was, as puny were the remnants of understanding that managed to take root in my brain afterwards. Perhaps it was never written with the aim of making the world more comprehensible, but rather with the aim of deconstructing the apparent understanding that one had constructed for oneself. Here is the first quote:

“It is not about producing (a text, an image). Everything lies in the art of disappearance”.

This could be read to mean that every picture, by preserving something, simultaneously makes everything that was going on around it disappear. A fragment is snatched from the torrent of time and forgetting.

“However, this disappearance must also leave traces, it must be the place of the appearance of the other, of the world, of the object”.

The disappearance of the `rest of the world’ preserves a part of the world in the trace of an `object’ and this trace that remains makes it painfully aware of the disappearance of the rest.

“Each photographed object is only the trace left by the disappearance of all the rest. It is an almost perfect crime… “

This seems trivial, but it shows quite well that with the act of photographing we always pick something out and detach (liberate?) it from its contexts.

“Das Foto ist die Kunst all das beiseite zu schieben, was sich zwischen euch und die Welt stellt – wobei die Abwesenheit der Welt in jedem Detail präsent ist, durch jedes Datum verstärkt wird. “

Hier scheint mir auch ein anderes Verschwinden durch, das des Photographen als gestaltendem Subjekt. Je mehr er sich zurücknimmt desto deutlicher kann das Detail, die Spur in Erscheinung treten – das Ideal vieler dokumentarischer Photographen.

“Die objektive Magie des Fotos – die sich von der ästhetischen Form der Malerei unterscheidet – liegt darin, dass das Objekt die ganze Arbeit macht. Natürlich werden das die Fotografen nie zugeben und behaupten, dass jede Originalität auf ihre Eingebung ihre fotografische Interpretation der Welt beruht “

Das wäre dann das Gegenteil des `Verschwindens des Photographen´, das aufgeblasene Ego, dass sich jeden kleinen Sonnenstrahl auf dem Bild als eigene Leistung anrechnen lassen will.

“Es geht nicht darum objektiv zu sein, es geht darum zum Objektiv zu werden. Im fotografischen Akt geht es nicht darum die Welt als Objekt zu nehmen, so zu tun als wäre das Objekt bereits vorhanden, sondern darum sie zum Objekt zu machen, das heißt sie anders werden zu lassen, ihre Andersheit, die unter ihrer vorgegebenen Wirklichkeit begraben liegt zu exhumieren, sie als eigentümlich Anziehendes erscheinen zu lassen… “

Indem ich der lebendigen Welt das Photographierte entnehme und es zum Objekt mache, muss ich ein Stück weit aus dem Jetzt treten und mich mit etwas nicht mehr Vorhandenem beschäftigen. Wenn ich möchte, dass es von sich selbst spricht, lausche ich der Stimme der Vergangenheit. Aber der eigentlich kreative Akt besteht darin das dieses Bild nicht nur Spur bleibt sondern noch etwas Anderes, etwas Neues transportiert.

„Schweigen, nicht nur des Bildes, das auf jeden Diskurs, auf jeden Kommentar verzichtet (das verzichten sollte, hélas!), um in gewisser Weise `innerlich´ gesehen und gelesen zu werden – aber auch das Schweigen, in das es den Gegenstand, den es einfängt, taucht, indem es diesen au dem dröhnenden Kontext der realen Welt herausreißt. Unabhängig davon, wie heftig die Gewalt, die Geschwindigkeit, der Lärm sind, die das Objekt umgeben, führt das Foto den Gegenstand in die Bewegungslosigkeit und in das Schweigen des Bildes“

Hier fällt es schwer nicht zu verstummen und andächtig vor dem Bild zu verharren. Vergessen wir aber nicht, dass, wenn wir das Bild wieder zum Sprechen bringen wollen, wir der Sprache bedürfen, der Erklärung und der Rekontextualisierung. Ansonsten bleiben wir mit dem Bild stumm und dumm.

“The photograph is the art of pushing aside all that comes between you and the world – with the absence of the world present in every detail, amplified by every datum. “

Another disappearance also shines through here for me, that of the photographer as a shaping subject. The more he withdraws, the more clearly the detail, the trace can appear – the ideal of many documentary photographers.

“The objective magic of the photograph – which is different from the aesthetic form of painting – lies in the fact that the object does all the work. Of course, photographers will never admit this and claim that any originality is based on their intuition their photographic interpretation of the world “

That would then be the opposite of the `disappearance of the photographer’, the inflated ego that wants to take credit for every little ray of sunshine in the picture as its own achievement.

“It’s not about being objective, it’s about becoming the lens. The photographic act is not about taking the world as an object, pretending that the object is already there, but about making it an object, that is, making it different, exhuming its otherness that lies buried under its given reality, making it appear as something peculiarly attractive…. “

By taking what is photographed from the living world and making it an object, I have to step a little out of the now and deal with something that no longer exists. If I want it to speak of itself, I listen to the voice of the past. But the real creative act is that this image not only remains a trace but also transports something else, something new.

“Silence, not only of the image that renounces (that should renounce, hélas!) any discourse, any commentary, in order to be seen and read in a certain way ‘internally’ – but also the silence into which it plunges the object it captures by tearing it out of the droning context of the real world. No matter how violent the violence, the speed, the noise that surrounds the object, the photograph leads the object into the motionlessness and silence of the image.”

Here it is difficult not to fall silent and remain devoutly before the image. But let us not forget that if we want to make the image speak again, we need language, explanation and recontextualisation. Otherwise, we remain dumb with the image and stupid.

Translated with the help of www.DeepL.com/Translator

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